Massenblatt "Sun" nennt Chirac einen Wurm (t-news 23.2.03)

Titelblatt der Extra-Ausgabe der Sun (Foto: dpa)Im Krieg der Worte um den Irak-Konflikt hat das britische Boulevardblatt "Sun" den Ton verschärft: In einer Sonderausgabe auf Französisch wird Frankreichs Präsident Jacques Chirac als Wurm bezeichnet. "Chirac est un ver" (Chirac ist ein Wurm) lautete die Schlagzeile einer gratis in Paris verteilten Ausgabe der Zeitung. Darunter druckte das Blatt die Fotomontage eines Wurms mit dem Kopf Chiracs, der aus einer Frankreich-Karte kriecht.

Sun: Chirac eine Schande für Europa
"Wir denken, dass euer Präsident, Jacques Chirac, eine Schande für Europa ist, weil er beständig mit einem Veto gegen militärische Aktionen zur Durchsetzung des Willens der Vereinten Nationen gegen den Irak droht", heißt es auf der Titelseite des Blattes weiter. Der französische Präsident ist gegen die Pläne von US-Präsident George W. Bush und Großbritanniens Premierminister Tony Blair, jetzt einen Krieg gegen Irak zu führen.

"Es ist ekelhaft"
"Beleidigungen sagen oft mehr über die Menschen, die sie machen, als über die, die sie zu beschreiben versuchen", sagte Chiracs Sprecherin zu dem Artikel. "Es ist ekelhaft", sagte Transportminister Gilles de Robien. Mehrere tausend "Sun"-Sonderblätter, die bis auf die Titelseite mit der britischen Ausgabe identisch waren, sind nach Angaben einer Sprecherin der Zeitung verteilt worden: "Wir verteilen sie an Orten wie etwa der Champs Elysee. Wir haben unterschiedliche Reaktionen bekommen."

Franzosen sind empört
Auf den Straßen von Paris waren die Reaktionen denen der Politiker ähnlich: "Die Presse sollte frei sein, aber dies ist wirklich skandalös. Es ist Propaganda für einen Krieg", sagte der 30-jährige Kellner Bruno Sterne. "Es ist wirklich traurig, aber es wundert mich nicht, dass so etwas von der 'Sun' kommt", sagte der 26-jährige Laurence Baroini. "Ich bin stolz auf den Präsidenten und seine Regierung. Die Briten sollten sich dagegen für Blair schämen, der ein Opportunist ist und nicht ganz die Ideale seiner Partei vertritt", sagte er.

Murdoch-Kampagne für Bush und Blair
Bereits vergangene Woche hatte die Boulevardzeitung "New York Post", die wie die "Sun" dem Medien-Tycoon Rupert Murdoch gehört, mit ihrer anti-französischen Berichterstattung für Wirbel in dem Land gesorgt. Ebenso wie die New Yorker Zeitung erinnerte die "Sun" jetzt an die Unterstützung Frankreichs durch britische und US-Soldaten in zwei Weltkriegen: "Wenn Saddam Hussein weg ist, werden die Menschen in Großbritannien und dem Rest Europas auf Frankreich schauen und sich fragen, ob Frankreich noch ein Verbündeter ist."

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