DRUCKVERSION 27.11.2005

 
"Wie unter Saddam": Allawi beklagt Menschenrechtslage


London (dpa) - Die Menschenrechtslage im Irak hat sich nach Einschätzung des früheren Ministerpräsidenten Ijad Allawi so verschlechtert, dass es kaum noch Unterschiede zum Regime Saddam Husseins gebe. «Die Leute tun dasselbe wie zu Saddams Zeiten und schlimmer.»

Das sagte Allawi der britischen Sonntagszeitung «Observer». Allawi, selbst ein Schiit, machte schiitische Kräfte innerhalb der Regierung für die Bildung von Todesschwadronen und geheimen Folterzentren verantwortlich.

«Wir hören von Geheimpolizei und geheimen Bunkern, in denen Verdächtige verhört werden», sagte Allawi. Viele Iraker seien gefoltert worden und im Verlauf der Verhöre gestorben. «Das waren genau die Gründe, warum wir Saddam bekämpft haben, und nun sehen wir diese Dinge wieder.» Allawi forderte ein sofortiges Einschreiten gegen die Menschenrechtsverstöße. Wenn nichts getan werde, breite sich «diese Seuche» auf das Innenministerium und von da aus auf die gesamte irakische Regierung aus - und das sei auch gefährlich für den Westen, warnte er. «Der Irak ist der Mittelpunkt dieser Region. Wenn die Dinge schief gehen, werden weder Europa noch die USA sicher sein.»

Allawi war der erste Ministerpräsident der Interimsregierung nach dem Sturz des Saddam-Regimes. Allerdings waren er und seine Gefolgsleute die Verlierer der ersten landesweiten Wahlen im vergangenen Januar, bei denen die religiösen Schiiten-Parteien triumphierten. Nun hat der säkulare Allawi vor der anstehenden Parlamentswahl am 15. Dezember Allianzen mit sunnitischen Gruppen geschlossen. Die Vorbereitungen zu den Wahlen werden von massiver Gewalt, politischen Morden, Einschüchterungen und Bombenattentaten begleitet, denen auch schon Mitglieder von Allawis Liste zum Opfer gefallen sind.