USA zensieren Irak-Bericht

Deutschland und die anderen nichtständigen
Mitglieder des UNO-Sicherheitsrates erhalten
nur bereinigte Fassung des Waffendossiers.
Angaben über ausländische Zulieferfirmen fehlen.

GENF taz Den zehn nichtständigen Mitgliedern des
UNO-Sicherheitsrates, zu denen ab Januar auch
Deutschland gehören wird, werden wesentliche
Teile des irakischen Rüstungsberichts vorenthalten.
Aus der für sie bestimmten Fassung des Berichts
wurden sämtliche Informationen über die
Zulieferungen und die Unterstützung ausländischer
Unternehmen, Forschungslabors und Regierungen
für die irakischen Rüstungsprogramme seit Mitte
der 70er-Jahre gestrichen. Auf diese Zensur verständigten
sich die fünf ständigen Ratsmitglieder USA, Russland,
China, Frankreich und Großbritannien. Nach Angaben
von dpa reduziert sich der Bericht von 12.000 auf 3.000 Seiten.

Nach Informationen der taz von UNO-Diplomaten aus
zwei dieser fünf Länder wurde diese Zensur in erster
Linie auf Drängen der USA vereinbart. Unter den fünf
ständigen Mitgliedern des Sicherheitsrates waren die
USA - so der irakische Rüstungsbericht - mit Abstand am
stärksten an der Aufrüstung des Regimes von Saddam
Hussein mit Massenvernichtungsmitteln beteiligt.

Der Bericht liefert erstmals eine komplette Übersicht
darüber, was die 24 namentlich genannten US-Firmen
wann an wen im Irak lieferten. Und er macht deutlich,
wie stark die Administrationen der Präsidenten Ronald
Reagan und George Bush senior in der Zeit von 1980 bis
zum Golfkonflikt von 1990/91 die Aufrüstung Iraks
unterstützten. Wesentliche Bauteile für das irakische
Atomwaffen- und das Raketenprogramm wurden mit
Genehmigung der Regierung in Washington geliefert.
Das Gift Anthrax für die Aufrüstung Iraks mit biologischen
Waffen stammt aus US-Labors. Irakische Militär- und
Rüstungsexperten wurden in den USA geschult und
erhielten dort Know-how für ihre heimischen Rüstungsprogramme.

Nach Einschätzung der US-Rüstungskontrollexpertin
Susan Wright von der Universität Michigan wäre eine
Veröffentlichung dieser Informationen "äußerst peinlich
für die USA". Sie würde "die Menschen in den USA an ein
sehr dunkles Kapitel erinnern, das die Bush-Administration
gerne vergessen machen will". Unklar bleibt zunächst weiter,
ob die USA nicht bereits bestimmte Informationen gestrichen
haben, bevor sie Kopien für die anderen vier ständigen
Mitglieder machten." ANDREAS ZUMACH

taz Nr. 6933 vom 18.12.2002, Seite 1


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Aufrüstung iraks

Fremde Hilfe für Saddam

Auszug aus der Liste ausländischer Unternehmen,
die laut dem irakischen Rüstungsbericht an die UNO
seit Ende der Siebzigerjahre an Bagdads
Rüstungsprogrammen für atomare, chemische
und biologische Massenvernichtungsmittel sowie
Raketen und andere konventionelle Waffen beteiligt
waren und sind:

Deutschland (insgesamt 80 Firmen):
darunter MBB, Daimler-Benz, MAN, Interatom,
H&H Metalform, Degussa, Buderus, Carl Zeiss,
Leitz, Mauserwerke, Refu Elektronik. Preussag,
Karl Kolb und Pilot Plant, Leybold, Klöckner,
Export Union, Ferrostaal, C. Plath-Nuclear,
Gildemeister, Fritz Werner, Pressluft Franz GmbH,
Werner Beaujean, Metallextraktion,
Neue Magdeburger, Hochtief, Iveco Magirus, Siemens.

USA (insgesamt 24 Firmen):
darunter Hewlett Packard,
Honeywell, Rockwell, Tektronix, Bechtel, International
Computer Systems, Sperry, Unisys, TI Coating.

Frankreich (insgesamt zehn Firmen):
darunter Aerospatiale
and Matra Espace, Thomson-CSF military,
Protec S.A., Sagem.

China: China Wanbao Engineering Company,
verschiedene Staatsfirmen, die Raketen(teile) lieferten.

Schweiz/Schweden: Asean Brown Boveri

Firmen aus Russland und Ägypten lieferten Scud-Raketen
und dazu gehörende Bauteile. Unter den insgesamt über
150 Firmen, die in dem irakischen Rüstungsbericht aufgeführt
sind, befinden sich darüber hinaus u. a. Unternehmen aus
Großbritannien, Brasilien, Argentinien und der Tschechoslowakei.

taz Nr. 6932 vom 17.12.2002, Seite 3

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