USA wollen Irak in drei Militär-Sektoren aufteilen (t-news 3.5.03)

Um den Irak politisch zu stabilisieren, wollen die USA und ihre Verbündeten das Land in mindestens drei Militär-Sektoren aufteilen. Die Überraschung am Samstag: Ein Drittel des Landes sollen multinationale Truppen unter der Führung des US-Verbündeten Polen kontrollieren. Die übrigen Landesteile werden von den USA und Großbritannien verwaltet, wie der US-Sender CNN berichtete. Der Sender beruft sich dabei auf hohe Beamte der US-Regierung.

 

Polen schickt bis zu 10.000 Soldaten
Für die multinationale Besatzungstruppe will Polen zwischen 4000 und 10.000 Soldaten bereitstellen, erklärte der polnische Verteidigungsminister Jerzy Szmajdzinski. Darüber werde Ende dieses Monats in London und Warschau verhandelt. Der Umfang des polnischen Kontingents werde von den finanziellen Hilfen des Auslands abhängen. An dem Krieg gegen den Irak hatte sich Polen mit rund 200 Soldaten beteiligt.

Deutschland bleibt außen vor
CNN meldete weiter, insgesamt hätten zehn Staaten sich bereit erklärt, sich an der Besatzungstruppe für den Irak zu beteiligen. Zu ihnen gehören unter anderem Italien, Spanien, Dänemark und die Niederlande. Hingegen seien Deutschland, Frankreich und Russland gar nicht erst um Unterstützung gebeten worden.

Randaufgaben für die Uno
Auch die Uno spielt bei diesem Szenario nur eine untergeordnete Rolle. Ein UN-Mandat, so CNN, sehe der am vergangenen Mittwoch bei einer Konferenz von 16 der an der Koalition gegen das Regime von Saddam Hussein beteiligten Staaten in London beschlossene Plan nicht vor. Demnach bleibt der Uno nur die Aufgabe, sich um humanitäre Belange zu kümmern. Laut CNN hätten die USA und Großbritannien bereits einen entsprechenden Resolutionsentwurf für den Weltsicherheitsrat vorbereitet.

EU um einheitliche Position bemüht
Unterdessen bemüht sich die Europäische Union (EU) darum, für künftige Irak-Debatten im Sicherheitsrat eine gemeinsame Position zu entwickeln. Das sagte Bundesaußenminister Joschka Fischer nach Beratungen mit seinen EU-Kollegen auf der griechischen Insel Rhodos.

Eine Stimme gegenüber den USA
Fischer zufolge konzentrieren sich die EU-Außenminister darauf, nach den Differenzen über den Irak-Krieg alles zu unternehmen, um wieder zu einer einheitlichen Haltung gelangen. Ebenso deutlich sei bei dem Treffen der EU-Außenminister auf Rhodos der Wunsch gewesen, auch mit den USA wieder eine gemeinsame Position zu finden.

EU will im Irak eine Rolle spielen
Nach Angaben des griechischen Außenministers und derzeitigen Vorsitzenden des EU-Ministerrats, Giorgos Papandreou, soll der für Außenbeziehungen zuständige EU-Kommissar Chris Patten ein mögliches Engagement der Union im Irak vorbereiten. Das gelte für Hilfen beim Wiederaufbau wie auch für die Entwicklung neuer Strukturen zum Beispiel im Justizwesen. Dafür soll auch die Rückkehr diplomatischer Vertreter der EU-Staaten in den Irak vorbereitet werden, die sich vor Ort ein Bild machen könnten. Konkrete Beschlüsse hierzu wurden bei dem informellen Treffen der Minister jedoch noch nicht gefasst.

dpa 
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