US-Luftwaffte fliegt Angriffe auf Bagdad (t-news 19.11.03)

Zum ersten Mal seit dem offiziellen Kriegsende hat die US-Besatzungsmacht im Zentrum von Bagdad wieder die Luftwaffe eingesetzt. Ziel der Angriffe seien Stellungen von Untergrundkämpfern gewesen, sagte ein Sprecher der Armee. Parallel dazu planen die USA eine neue Uno-Resolution zur Übergabe der Souveränität an eine Interimsregierung.

Explosionen in Bagdad
Die irakische Hauptstadt wurde nach Sonnenuntergang von einer Serie von Explosionen erschüttert. Von einigen Gebäuden im südlichen Teil der Stadt stieg Rauch auf. Mit der Operation "Eiserner Hammer" geht die Armee gegen die Gegner der US-Besatzung vor, die fast täglich Soldaten angreifen oder Attentate auf sie verüben. Die Besatzer hatte ihre Operation am 12. November im Raum Bagdad gestartet und in den vergangenen Tagen ausgeweitet.

 

Luftangriffe sollen abschrecken
Auch in Tikrit nördlich von Bagdad, der Heimatstadt des gestürzten Präsidenten Saddam Hussein, griffen die US-Truppen Positionen ihrer Gegner an. Unter den Zielen sei ein alter irakischer Militärbunker, den die Freischärler nutzten. "Der Feind wird es sich zwei Mal überlegen, seine Stellungen (für einen Angriff auf unsere Armee) zu nutzen, wenn er weiß, dass wir unser Feuer präzise darauf lenken können", sagte ein Armeesprecher. Nach seinen Informationen wurde niemand verletzt. US-General Martin Dempsey teilte mit, in Bagdad sei unter anderem ein illegales Waffenlager angegriffen worden. Der Besitzer sei festgenommen und mehrere Waffen seien beschlagnahmt worden.

 

Weniger Angriffe auf US-Truppen
Anscheinend zeigt das harte Durchgreifen der Besatzungstruppen Erfolg. Die Anschläge gegen die US-Truppen im westirakischen Krisengebiet um Falludschah sollen erheblich zurückgegangen sein. Von Montag auf Dienstag habe es nur einen Angriff gegeben. Zuvor wäre die 82. US-Division dagegen täglich bis zu 15 Mal angegriffen worden. Irakische Zivilisten würden die Besatzer verstärkt vor Bomben warnen, begründete der General den Rückgang.

 

Neue Resolution möglich
Möglicherweise wird es eine weitere UN-Resolution zur Machtübergabe geben. Dabei gehe es darum, die Pläne für eine Machtübergabe im Juni 2004 vom Weltsicherheitsrat absegnen zu lassen, erklärten Uno-Diplomaten in New York. Das US-Außenministerium arbeite bereits an einem entsprechenden Text. Ein Sprecher der Behörde sagte, derzeit sei kein Entwurf in Arbeit, eine neue Resolution könne aber "zu gegebener Zeit" nützlich sein. Die US-Regierung konzentriere sich vorerst darauf, die im Oktober verabschiedete Resolution 1511 einzuhalten. Danach soll der irakische Regierungsrat bis zum 15. Dezember einen Zeitplan für die Annahme einer neuen Verfassung und für Parlamentswahlen vorstellen.