Perle: Uno wird mit Saddam untergehen (t-news 11.4.)

Pentagon-Berater Perle (Foto: dpa)Der Pentagon-Berater Richard Perle, Spitzname "Fürst der Finsternis", sieht die Vereinten Nationen mit Saddam Hussein untergehen: "Ironischerweise" sei dies der Fall, auch wenn die Uno nach dem Sturz des irakischen Machthabers "möglicherweise nicht völlig" verschwinden würden, schrieb Perle in einem Gastbeitrag für die Pariser Tageszeitung "Le Figaro".

"Sterbeglöckchen" läuten für die Uno
Dass der UN-Sicherheitsrat sich geweigert habe, ein ausdrückliches Mandat für den Einsatz von Gewalt gegen den Irak zu erteilen, läute aber "das Sterbeglöckchen für die jahrzehntealte Wunschvorstellung, die Uno sei das Fundament der Weltordnung", fügte der als "Falke" bekannte Perle hinzu. Der Sicherheitsrat habe im Irak-Konflikt seine "chronische Unfähigkeit" gezeigt, seine eigenen Resolutionen zum irakischen Waffenprogramm in die Tat umzusetzen, bemängelte Perle. Dies habe gezeigt, dass die Vereinten Nationen "einfach nicht in der Lage sind, ihre Aufgabe zu erfüllen".

"Krieg muss in Gebiete getragen werden, die Terror erzeugen"
Deswegen müsse der Krieg in jene Gebiete getragen werden, die den Terror erzeugten, schrieb Perle. Für die Uno bleibe die Rolle, "gute Werke" zu verwalten - etwa "das Aufrechterhalten des Friedens bei geringem Risiko", den Kampf gegen Aids und Malaria oder die Verteidigung der Rechte von Kindern. Die eigentlichen Hoffnungsträger für weltweite Sicherheit seien Koalitionen wie die von den USA geschmiedete Allianz im Irak-Krieg. Die Uno sei wie ihr Vorläufer Völkerbund "kläglich gescheitert".

"Wer ist schon China, Russland oder Frankreich?"
Perle griff die Länder scharf an, die sich gegen eine Kriegs-Resolution gestellt hatten: Wie könne eine vom Sicherheitsrat befürwortete Politik falsch sein, "nur weil das kommunistische China, Russland, Frankreich oder zahlreiche zweitrangige Diktaturen ihre Umsetzung ablehnen?". Deutschland nannte Perle dabei nicht ausdrücklich, wohl aber Syrien, Kamerun und Angola. Alle diese Länder haben zurzeit einen Sitz im Sicherheitsrat.

Rücktritt wegen umstrittener Tätigkeit
Der 61-jährige Perle steht an der Spitze der Kriegsbefürworter in Washington und übte bei der Planung des Irak-Krieges großen Einfluss auf die US-Regierung aus. Ende vergangenen Monats, mitten im Irak-Krieg, trat er wegen seiner umstrittenen Tätigkeit für die insolvente Telekommunikationsfirma Global Crossing als Chef-Berater des Pentagons zurück. Er ist aber weiterhin einfaches Mitglied des Beratergremiums Defense Policy Board.

Architekt der Bush-Doktrin
Mehrere der so genannten "Falken" sind mit den Amtsantritt von Präsident George W. Bush in einflussreiche Regierungsämter gerutscht. Verteidigungsminister Donald Rumsfeld holte seinen alten Freund Perle im Sommer 2001 als Pentagon-Berater in seinen engsten Zirkel. Zusammen mit dem stellvertretenden Verteidigungsminister Paul Wolfowitz gilt der 61-Jährige als Architekt der neuen Bush-Doktrin: Angriff ist die beste Verteidigung. Im Irak-Krieg findet diese Doktrin erstmals Anwendung.

"Fürst der Finsternis"
Seinen Beinamen "Fürst der Finsternis" erwarb sich Perle in den 70er Jahren, als er mit einem eingeschworenen Club um Senator Henry Jackson die sowjetische Bedrohung beschwor. Eine Kampfansage an das Sowjetreich, die "Macht der Finsternis", war ihr Ziel. Unter Präsident Ronald Reagan lief Perle als Abteilungsleiter im Pentagon mit seiner Forderung zur Aufrüstung offene Türen ein. Er war entschiedener Verfechter von Reagans weltraumgestützten Abwehrprogramm ("Krieg der Sterne").

AFP/sh