Türkische Truppen in Nordirak eingerückt (t-news)

Rund 1000 türkische Soldaten sind in den Norden des Irak einmarschiert. Dies berichtete der Fernsehsender CNN Türk. Die Soldaten rückten von den türkischen Provinzen Silopi und Hakkari in den Irak ein, offenkundig gegen den ausdrücklichen Wunsch Washingtons.

Ankara will "terroristischen Aktivitäten" vorbeugen
Der türkische Außenminister Abdullah Gül sagte, die Truppen seien entsandt worden, damit irakische Flüchtlinge schon vor der türkische Grenze abgefangen werden können. Ankara geht es seinen Angaben offenbar darum zu verhindern, dass Rebellen der verbotenen Kurdischen Arbeiterpartei PKK ihren bewaffneten Kampf gegen die Türkei wieder aufzunehmen.

Türkei gegen Kurdenstaat
Die Regierung in Ankara fürchtet um das eigene Territorium, falls nach dem Sturz des irakischen Präsidenten Saddam Hussein über einen eigenständigen Kurdenstaat verhandelt wird. Dieser Staat könnte neben Teilen des Irak auch die kurdischen Regionen der Türkei umfassen.

Kurden wollen gegen türkische Truppen kämpfen
Die Türkei hat bereits mehrere tausend Soldaten im Norden des Irak stationiert. Die dort lebenden Kurden lehnen die Anwesenheit des türkischen Militärs ab. Sie haben angekündigt, gegen die türkischen Truppen zu kämpfen, wenn diese in ihre selbstverwaltete Region vorrücken sollten. Nach der Errichtung der Flugverbotszonen im Süden und Norden Iraks durch die USA und Großbritannien nach dem Golf-Krieg 1991 haben die im Norden lebenden Kurden eine Selbstverwaltung eingerichtet.

 

Erdogan: USA stimmen Einmarsch im Nordirak zu
(t-news 23.3.03)

Die Türkei hat nach Darstellung von Regierungschef Recep Tayyip Erdogan grünes Licht von den USA für die Stationierung einer begrenzten Zahl türkischer Soldaten im Nordirak erhalten. Außenminister Abdullah Gül habe die Einigung in Gesprächen mit seinem Kollegen Colin Powell erzielt, sagte Erdogan dem US-Magazin "Newsweek". Dies habe die Türkei als Gegenleistung für die Öffnung des türkischen Luftraums für US-Militärjets gefordert.

Keine dauerhafte Besetzung
Die türkischen Streitkräfte wollten den Nordirak aber nicht dauerhaft besetzen, sondern entlang der 330 Kilometer langen Grenze höchstens 19 Kilometer weit auf irakisches Gebiet vordringen. Am Samstag hatte Ankara Berichte dementiert, wonach bereits rund tausend Soldaten in den Irak einmarschiert seien.

Türkei fürchtet Kurden-Rebellion
Ankara fürchtet, dass die Kurden im Norden des Irak nach dem Krieg einen eigenen Staat ausrufen und damit unter den Kurden in der Türkei eine Rebellion auslösen könnten. "Die schmerzlichen Erfahrungen des Golfkrieges (von 1991) mit Flüchtlingsströmen und dem Einsickern von Terroristen wollen wir nicht noch einmal erleben", sagte Außenminister Gül. Washington will jedoch neue Kämpfe bei einem türkischen Einmarsch in den Irak vermeiden. Sollte die Türkei Kriegspartei werden, will die Bundesregierung die deutschen Soldaten aus den AWACS-Überwachungsflugzeugen in der Region abziehen.

US-Kriegsschiffe verlassen türkisches Hoheitsgebiet
Währenddessen sind die amerikanischen Kriegsschiffe nach wochenlangem Warten vor der türkischen Küste in den Golf beordert worden. Das Pentagon gab damit endgültig seine Pläne auf, schwer bewaffnete Truppen durch die Türkei in den Nordirak zu entsenden. Das verlautete aus dem US-Verteidigungsministerium.

40 Schiffe umdirigiert
Rund 40 Schiffe mit Militärgerät für die 4. Infanterie-Division sollen Kurs auf den Suezkanal nehmen, sagte ein Regierungsbeamter. Die letzten Schiffe sollen am 10. April in Kuwait eintreffen. Die Division, die in Ford Hox in Texas auf ihre Stationierung in der Türkei wartete, werde vermutlich nach Kuwait geschickt, hieß es weiter. Es war zunächst nicht klar, ob die gesamte Division mit 17.500 Soldaten Marschbefehl erhalten würde.

Parlament spricht Erdogan Vertrauen aus
Das türkische Parlament indes sprach der Regierung Erdogan das Vertrauen aus. 350 Abgeordnete votierten für das Kabinett, 162 stimmten dagegen. Am Donnerstag hatten die Abgeordneten eine Vorlage der Regierung zur Gewährung von Überflugrechten für die US-Armee gebilligt, die diese für ihre Angriffe auf den Irak gefordert hatte. Anfang des Monats hatte die Regierung eine überraschende Niederlage erlitten, als das Parlament in einer ersten Abstimmung den von den USA gewünschten Truppenaufmarsch in der Türkei zur Vorbereitung des Kriegs ablehnte.

 

 

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