Truppenaufmarsch am Golf (t-online 12.1.03)
US-Regierung kämpft mit E-Mails gegen Saddam
Immer mehr US-Soldaten sind auf dem Weg in die Golf-Region, bereiten sich auf einen möglichen Krieg gegen den Irak vor. Spätestens Mitte Februar sind 150 000 Soldaten in der Region einsatzbereit. Schon jetzt versucht die US-Regierung, die Kampfmoral der irakischen Armee zu schwächen - mit tausenden Anti-Saddam-E-Mails.
 
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Nach Informationen des US-Nachrichtensenders CNN haben das Pentagon und andere US-Einrichtungen bereits mit dem Versenden der Massen-Emails begonnen. Ein US-Militär: „Dies ist erst der Anfang einer psychologischen Kriegsführungs-Kampagne“. Ziel der E-Mails: Ranghohe irakische Militärs und Saddam-Vertraute. Sie sollen noch vor einem möglichen Krieg aufgeben und überlaufen.

Militär-Experten sagen: Zum ersten Mal in der Geschichte werden E-Mails als Mittel der psychologischen Kriegsführung eingesetzt.

Die Texte der Emails sind speziell auf die Empfänger in Saddams Reich ausgerichtet, Hauptziel sind Angehörige der Armee. Die US-Strategen appellieren an ihre Soldaten-Ehre, fordern sie auf, zu desertieren oder dem Diktator den Gehorsam zu verweigern. In einer Email steht: „ Seit Menschengedenken gab es keinen Beruf, der ehrbarer gewesen ist, als der des Soldaten. Soldaten werden mit Auszeichnungen und Orden dekoriert, die ihre Leistungen zeigen und ihre Fähigkeiten mitteilen. Die Uniform eines Soldaten verlangt Respekt und Treue. Saddam hat dieses Erbe in den Schmutz gezogen... Saddam will nicht, dass die Soldaten des Irak die Ehre und Würde besitzen, die ihr Beruf verlangt. Saddam versucht, diese tapferen Männer auszubeuten.“

 

Neben E-Mails setzt die US-Regierung auch auf klassische Mittel der psychologischen Kriegsführung: Seit Wochen werden Flugblätter über dem Irak abgeworfen, seit Mitte Dezember sendet die „4th Psychological Operations Group“ aus einem Flugzeug über dem Irak ein Anti-Saddam-Radioprogramm. Schon in Afghanistan war man damit erfolgreich: Taliban-Kämpfer wurden vor der militärischen Überlegenheit der US-Truppen gewarnt, hohe Belohnungen wurden für Hinweise auf Terroristen-Verstecke ausgesetzt.

Unterdessen geht der Militäraufmarsch am Persischen Golf weiter.

Die US-Regierung hat jetzt weiteren 27 000 Soldaten den Marschbefehl erteilt, spätestens Mitte Februar wird die Steitmacht insgesamt 150 000 Mann stark sein. Auch Großbritannien schickt immer mehr Soldaten in Richtung Irak. Der Flugzeugträger „HMS Ark Royal“ führt den größten britischen Flottenverband seit dem Falkland-Krieg vor 20 Jahren an.

Erstmals wurden auch US-Truppen aus Deutschland an den Golf verlegt: 200 Soldaten der Kampfflugeinheit Spangdahlem (Eifel). Sie sollen vor Ort die gefürchteten F-16-Jets warten. Und die Bundesregierung will schon bald die versprochenen 64 Flugabwehrraketen vom Typ „Patriot“ nach Israel schicken. Sie sollen die Bevölkerung vor möglichen Angriffen durch irakische Scud-Raketen schützen. (shi)

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