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Weshalb scheinen die USA so verbissen auf einen Krieg zuzusteuern? Ist Erdöl der Grund? 

Wohl verfügt der Irak über die zweitgrößten Ölreserven der Welt. Die Kontrolle hierüber ist für die USA, den größten Energieverbraucher der Welt, in Zeiten schwindender Ressourcen sicherlich verlockend. Zahlreiche Fachleute für internationale Politik glauben jedoch, dass es der US-Regierung um mehr geht: Wichtiger als die Ölreserven, die Massenvernichtungswaffen und der Sturz Saddam Husseins sei die weltweite Vormachtstellung der USA im 21. Jahrhundert. Dazu wollten die Amerikaner ihre nach dem 11. September entwickelte Präventivkriegsdoktrin durchsetzen. Die besagt, dass Amerika sich "wehren" darf, noch bevor es angegriffen wird.

 

Hat ein Krieg gegen den Irak etwas mit dem Krieg gegen den islamistischen Terrorismus zu tun?

Nein. Auch der US-Regierung ist klar, dass die Verbindungen der El-Kaida und ihrer Verbündeten in den Irak vergleichsweise schwach sind. Zwar gibt es vage Berichte, nach denen sich Mohammed Atta in Tschechien mit irakischen Agenten getroffen haben soll. Die Quellen dieser Information gelten jedoch als dubios. Ironischerweise sollen sich die angeblich aus Afghanistan in den Irak geflüchteten El-Kaida-Kämpfer just in den von den USA geschützten autonomen Kurdengebieten verstecken – also außerhalb von Saddams Einflussbereich. Nichtsdestoweniger hat Präsident Bush es geschafft, große Teile der amerikanischen Bevölkerung nach den Attentaten des 11. September 2001, auf den Krieg gegen den Irak einzustimmen. Der Schock über die Attacke im Herzen Amerikas scheint die Abgrenzungen zwischen den verschiedenen Schurken vor den Augen vieler Amerikaner verschwimmen zu lassen. Dennoch fordern die Menschen auch in den USA zunehmend stichhaltigere Beweise gegen den Irak.

 

 

Wie hoch wird voraussichtlich der Blutzoll sein, den die Menschen im Irak zahlen müssen?

Unabhängige Ärzteorganisationen rechnen im Verlauf eines Krieges mit bis zu 250.000 Toten. Auf Grund längerfristiger Auswirkungen des Krieges könnten nach Meinung von Vertretern der internationalen Ärzteorganisation Medico weitere 200.000 Menschen sterben. Mehrere Millionen wären auf der Flucht. Bereits jetzt seien die Krankenhäuser mit Medikamenten chronisch unterversorgt. Da die USA diesmal nicht nur die Vertreibung der irakischen Armee, sondern die Einnahme des ganzen Landes anstreben, sei der Konflikt notwendigerweise intensiver und zerstörerischer als 1991, so Medico. Schwere Verluste unter der Zivilbevölkerung seien vor allem bei der Einnahme der weitläufigen Fünf-Millionen-Stadt Bagdad zu erwarten. Dessen ungeachtet werden sich Saddams Republikaner-Garde sowie seine persönliche Schutztruppe, zusammen etwa 70.000 bis 100.000 Mann, beim Endkampf vermutlich in den Wohnvierteln der Hauptstadt verschanzen. Die UN geht offiziell von "500.000 Verletzten" aus. Die USA rechnen mit bis zu 1000 Toten auf ihrer Seite.