Stehende Ovationen für Bushs Kampfrede  (t-news 29.1.03)

US-Präsident George W. Bush (Foto: Reuters)US-Präsident George W. Bush hat in seiner mit Spannung erwarteten Rede zur Lage der Nation den Irak als akute und anhaltende Bedrohung für die Sicherheit der USA dargestellt. Notfalls werde die US-Regierung allein "die Freiheit und Sicherheit des amerikanischen Volkes verteidigen", sagte Bush. Alle freien Staaten hätten ein Interesse daran, plötzliche Angriffe zu verhindern. "Wir fordern sie auf, sich uns anzuschließen, und viele tun es. Aber der Kurs dieser Nation hängt nicht von den Entscheidungen anderer ab", sagte er begleitet von stehenden Ovationen der Zuhörer im Kapitol.

Bushs Rede - Auszüge im Wortlaut

Der Irak-Konflikt - Elf Fragen, elf Antworten

Gesetzlose Regime sind größte Gefahr
In seiner einstündigen Rede vor dem US-Kongress schlug der Präsident einen direkten Bogen von der Bedrohung durch islamistische Terroristen vom Schlage der El Kaida und den Anschlägen des 11. September zum Regime Saddam Husseins: Die größte Gefahr im Hinblick auf den internationalen Terrorismus gehe von gesetzlosen Regimen aus, die Massenvernichtungswaffen herstellten und sie möglicherweise an Terroristen verkauften, sagte Bush. Dies sei auch im Falle von Saddam Hussein und El Kaida zu erwarten: "Nächstes Mal kommen die Terroristen mit Waffen, die sie von Saddam bekommen haben", sagte Bush.

"Amerika wird militärische Macht voll ausspielen"
In Anspielung auf die häufig gestellte Frage, warum ein Angriff auf den Irak bereits zum jetzigen Zeitpunkt geboten sei, stellte Bush die Gegenfrage: "Seit wann sagen Diktatoren, wann sie zuschlagen?" Der Irak habe seine letzte Chance, sich selbst zu entwaffnen, bislang nicht genutzt. Statt dessen strebe er weiter nach dem Besitz von Massenvernichtungswaffen. Nichts habe den irakischen Machthaber bislang davon abgehalten. "Der Weltsicherheitsrat hat Saddam Hussein eine letzte Chance zur Abrüstung eingeräumt. Doch er hat äußerste Verachtung für die Vereinten Nationen und für die Meinung der Welt gezeigt." Wenn Amerika der Krieg aufgezwungen werde, werde es mit der vollen Macht des US-Militärs kämpfen- und sich durchsetzen, kündigte Bush an.

Beweise für den 5. Februar angekündigt
Tausende Menschen im Irak seien damit beschäftigt, die UN-Waffeninspektoren zu täuschen. Dazu gehörten mobile Labors, die man vor den Inspektoren verstecken könnte. Der Irak horte biologische und chemische Kampfstoffe, mit denen das Regime Millionen Menschen töten könne, sagte Bush und kündigte an, Außenminister Colin Powell werde dem UN-Sicherheitsrat am 5. Februar Beweise dafür vorlegen.

Freiheit für den Irak
Im Irak ginge es neben der amerikanischen Sicherheit vor allem um die Freiheit der Iraker. "Ihr Feind umzingelt nicht das Land, ihr Feind regiert das Land", rief er den Menschen im Irak zu, nachdem er in drastischen Worten über Morde, Folterungen und Vergewaltigungen gesprochen hatte, bei denen die Kinder der Opfer zusehen müssten.

Villepin: Begrüßen angekündigte Vorlage von Beweisen
Der französische Außenminister Dominique de Villepin begrüßte die Ankündigung von US-Präsident George W. Bush, auf einer Sitzung des Weltsicherheitsrats Beweise über illegale Waffenprogramme Bagdads vorlegen zu wollen. "Seit mehreren Wochen schon bitten wir all diejenigen, die spezielle Informationen haben, sie den UN-Waffenkontrolleuren zu geben", sagte Villepin am Mittwoch dem Rundfunksender RTL. Auch der australische Regierungschef John Howard, der als politischer Verbündeter Bushs im Irak-Konflikt gilt, begrüßte die Ankündigung. Howard unterstrich, dass der Irak seiner Meinung nach ständig gegen die Vorgaben des Weltsicherheitsrats verstoße. Die USA, Großbritannien und Australien sind die bislang einzigen Länder, die Truppenkontingente für einen möglichen Militärschlag gegen den Irak entsandt haben.