Robertson: "Moralische Verpflichtung" zur Hilfe

Kein Krieg gegen den Irak ohne die Nato (Foto: AP)Die Nato hat nach Ansicht ihres Generalsekretärs Lord Robertson die "moralische Verpflichtung", einen von den USA geführten Krieg gegen den Irak zu unterstützen. Die Nato-Staaten stünden voll hinter der UN-Resolution zur Abrüstung des irakischen Regimes, sagte Robertson. Wenn dieser Prozess jedoch scheitern sollte, stehe die Nato eindeutig in der "moralischen Verpflichtung, alle Hilfsanforderungen der USA zu erfüllen". Die USA haben ihren Partnern laut Robertson "eine Reihe von Optionen" vorgeschlagen, wie die Nato bei einer Militäraktion helfen könnte. Darüber würden jetzt Überlegungen angestellt. Entscheidungen seien noch nicht gefallen.

Robertson: Ohne Nato-Hilfe kein Krieg gegen den Irak
Nach Ansicht von Robertson könnten die USA einen Krieg gegen den Irak ohne ihre Nato-Partner nicht führen. "Es gibt immer wieder Äußerungen in dieser Richtung, aber Tatsache ist, dass (US-Präsident) Bush sein Land fest in die Strukturen der Nato sowie internationaler und multilateraler Institutionen eingebunden hat."

Neue Angriffe auf irakische Kommando-Zentralen
Britische und amerikanische Flugzeuge bombardierten unterdessen erneut irakische Kommando- und Kontrollzentren in der südlichen Flugverbotszone. Die Angriffe in der Nähe von Tallil rund 280 Kilometer südöstlich von Bagdad seien in Selbstverteidigung erfolgt, teilte das US-Zentralkommando in Tampa (Florida) mit. Die Flugverbotszonen im Süden und Norden waren von den USA und Großbritannien nach dem Golfkrieg von 1991 zum Schutz der schiitischen und kurdischen Minderheiten eingerichtet worden. Bagdad erkennt sie nicht an.

Saddam rügt Pressefreiheit in den USA
Der irakische Präsident Saddam Hussein warf den USA über die halbstaatliche Presseagentur INA mangelnde Pressefreiheit vor. Die amerikanischen Medien hätten seine Weihnachtsbotschaft vollkommen außer Acht gelassen, beschwerte sich der Staatschef in Bagdad. Diese Art der Meinungsfreiheit verwirre nur die Gemüter, sagte er. Der irakische Präsident hatte in einer Weihnachtsbotschaft "an die Christen im Irak und weltweit" erneut seine Bereitschaft zur Zusammenarbeit mit den UN-Inspektoren bekräftigt.

Schröder will weiter friedliche Lösung suchen
Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) warnte, auf der Suche nach einer Lösung des Irak-Konflikts nur noch einseitig über einen Krieg zu diskutieren. "Mir geht es darum, dass ich nicht von vornherein so agieren möchte, als hätte ich die Chance, diesen Konflikt friedlich zu lösen und die Entwaffnung Saddam Husseins ohne Krieg zu bewerkstelligen, schon abgeschrieben", sagte Schröder der "Süddeutschen Zeitung". Er wolle "jede Chance für eine friedliche Lösung nutzen". Eine deutsche Beteiligung an einem Irak- Krieg schloss er weiter kategorisch aus: "Ich habe nicht vor, meine Politik zu ändern."

Türkei will Irak-Krieg verhindern
Türkischer Ministerpräsident Abdullah Gül (Foto: dpa)Unterdessen plant der türkische Ministerpräsident Abdullah Gül eine diplomatische Offensive, um einen Irak-Krieg zu verhindern. Wie aus dem Büro des Regierungschefs verlautete, wird Gül zu diesem Zweck Gespräche in Saudi-Arabien, Jordanien, Ägypten und eventuell Syrien sowie Iran führen. Wann er in die Länder reisen wird, ist noch nicht bekannt.

Türkei befürchtet Kurden-Staat
Der Türkei käme bei einer Militäroperation eine Schlüsselrolle zu. Auf dem Luftwaffenstützpunkt Incirlik sind bereits 50 Flugzeuge der Amerikaner stationiert - sie überwachen die nördliche Flugverbotszone über Irak. Daneben verfügt das Land über Hubschrauberstützpunkte an der Grenze und eine weitere Hauptbasis im Landesinneren. In der Türkei wird befürchtet, die Kurden im Norden Iraks könnten ihre Unabhängigkeit erklären, sollte das Regime in Bagdad zusammenbrechen. Das wiederum könne die türkischen Kurden im Südwesten der Türkei zu einem ähnlichen Schritt ermutigen.