Palästinenser wehren sich gegen Sperranlage (t-news 6.10.03)
 

Die radikal-islamische Hamas hat Israel gedroht, der im Bau befindlicher Sperrzaun zum Westjordanland werde künftige Anschläge nicht verhindern. "Die Mauer wird das zionistische Gebilde nicht schützen und Widerstandsschläge nicht verhindern", hieß es in einer Hamas-Erklärung. "Der Tag wird kommen, an dem diese Mauer schließlich zusammenfällt, wie die Berliner Mauer fiel."

Palästinenser: Israel schafft vollendete Tatsachen
Israel will sich mit dem Zaun vor Anschlägen schützen. Die Palästinenser befürchten, die Sperranlage, teils ein Zaun mit elektronischen Sensoren, teils eine Mauer aus Beton, könnte die Grenzen eines künftigen Palästinenser-Staates vorwegnehmen. Am Donnerstag appellierte die Palästinenser-Regierung an die Nahost-Vermittler von USA, UNO, EU und Russland, den Weiterbau zu stoppen.

"Hunderttausende wie im Gefängnis"
Die Barriere werde die Palästinenser weiter provozieren und den Widerstand schüren, heißt es in der Hamas-Erklärung. "Die Mauer wird das Westjordanland zerreißen und riesige Gebiete annektieren, Pufferzonen schaffen, in denen hunderttausende Palästinenser in großen Gefängnissen leben." Dies werde es unmöglich machen, einen Palästinenser-Staat zu schaffen und den internationalen Nahost-Friedensplan scheitern lassen. Israelische Politiker haben stattdessen betont, der Zaun stelle keine Grenze dar. Er könne auch wieder entfernt werden.

Israel baut Sperranlage weiter
Gestern hatte die israelische Regierung beschlossen, die international umstrittene Sperranlage im Westjordanland weiterbauen - trotz der Bedenken der US-Regierung. Die von Washington besonders kritisierten Abschnitte des Sperrzauns werden allerdings vorläufig nicht gebaut.

Anlage verläuft auf Palästinenser-Gebiet
Die besonders umstrittenen Teile der Anlage liegen östlich der Siedlerstadt Ariel im palästinensischen Westjordanland. Washington befürchtet, dass ein Ausgleich mit den Palästinensern ummöglich wird, wenn die Anlage auf palästinensischem Gebiet verläuft. Der Verlauf der Sperranlage orientiert sich nicht an der so genannten Grünen Linie, der Grenze vor dem Sechs-Tage-Krieg von 1967, sondern reicht in besetztes Gebiet hinein, um jüdische Siedlungen zu umfassen. Dadurch sind etliche palästinensische Dörfer und Städte vom Rest des Westjordanlandes abgeschnitten. Bauern können ihre Felder auf der anderen Seite des Zauns nur mit Mühe erreichen.

USA könnten Kreditbürgschaften kürzen
Die US-Regierung hatte bereits gedroht, einen Teil der Kreditbürgschaften für Israel zu kürzen, sollte der Bau der Anlage auf palästinensischem Gebiet fortgesetzt werden. Die USA bürgen für israelische Kredite in Höhe von neun Milliarden US-Dollar. Inzwischen hat die US-Regierung diese Drohung jedoch abgemildert.