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Bush schließt in Iran-Konflikt Nuklearschlag nicht aus

Di Apr 18, 2006 8:03 MESZ

Teheran (Reuters) - US-Präsident George W. Bush hat im Atomkonflikt mit dem Iran auch einen Nuklearschlag nicht

ausgeschlossen.

"Alle Optionen liegen auf dem Tisch", sagte er zu entsprechenden Berichten in US-Medien. Der Iran bekräftigte seine

harte Haltung in dem Konflikt mit einer Militärparade und markigen Worten. Er lehnte es zudem im Vorhinein ab, auf

mögliche Ergebnisse von Beratungen der ständigen Mitglieder des UN-Sicherheitsrats und Deutschlands in Moskau

einzugehen. Die USA gingen mit der Forderung in das Treffen, gezielte internationale Sanktionen gegen den Iran ins

Auge zu fassen. In zehn Tagen läuft die Frist ab, bis zu der das Land den Verdacht, an Atomwaffen zu arbeiten,

entkräften soll.

"Wir wollen das Thema diplomatisch lösen und wir arbeiten hart daran, dass dies gelingt", sagte Bush über den Iran.

Dabei verwies er besonders auf ein gemeinsames Vorgehen der Staaten, "die die Gefahr erkennen, die von einem mit

Atomwaffen ausgerüsteten Iran ausgeht". Bush will den Konflikt am Donnerstag bei einem Treffen mit dem

chinesischen Präsidenten Hu Jintao ansprechen, der derzeit erstmals die USA besucht. Als enger Verbündeter des

Irans stellt sich China wie Russland gegen eine härtere Gangart der internationalen Gemeinschaft. Von dem Treffen

der stellvertretenden Außenminister der beteiligten Länder in Moskau wurden daher zunächst keine weit reichenden

Entscheidungen erwartet.

Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad drohte anlässlich der aufwendigen Militärparade im Zentrum Teherans, jeder

Angreifer werde seine Tat bitter bereuen. "Die iranische Armee wird die politischen Grenzen des Landes und die

Nation mit aller Macht verteidigen." Generalstabschef Abdolrahim Mussawi kündigte seinerseits ein erbarmungsloses

Vorgehen seiner Truppen an: Wenn es gegen Amerika gehe, werde kein iranischer Soldat Mitleid mit seinem Feind

kennen.

Während der Parade salutierten tausende Soldaten aus Heer, Luftwaffe und Marine vor Ahmadinedschad.

Kampfpanzer wurden auf Lastwagen vorgeführt. Hubschrauber und Kampfflugzeuge russischer Bauart überflogen den

Platz vor dem Grab des Gründers der Islamischen Republik, Ajatollah Ruhollah Chomeini, auf dem die Parade ihren

Höhepunkt hatte. Die Truppen führten zudem Torpedos und U-Boote vor. Es fehlte allerdings die Mittelstreckenrakete

"Schahab 3", von der der Iran behauptet, dass sie 2000 Kilometer weit fliegt und damit Israel oder US-Stützpunkte in

der Golfregion bedrohen kann.

Experten halten weite Teile der militärischen Ausrüstung des Landes für überaltert. Nichtsdestotrotz sei der Iran dazu

im Stande, die Öl-Handelsrouten im Persischen Golf lahm zu legen. Dies sei das eigentliche Signal der Auftritte,

meinten sie. Aus Angst vor Lieferengpässen in Folge der Iran-Krise wurden mehrere Ölsorten am Dienstag so teuer

wie nie zuvor gehandelt.

Mit Blick auf die Moskauer Beratungen forderten die USA, die internationale Gemeinschaft müsse zu entschlossenen

diplomatischen Maßnahmen bereit sein. Die iranischen Verbündeten Russland und China bekräftigten aber ihre

Opposition zu Sanktionen. "Wir sind überzeugt, dass weder der Weg von Sanktionen noch der Weg zu einem

Gewalteinsatz zu einer Lösung führen werden", erklärte Russland vor Auftakt der Gespräche. Der Iran empfahl den

Staaten, "ihre bisher beschrittenen Wege genau zu prüfen. Wann immer sie den Iran unter Druck gesetzt haben,

hatten sie den gegenteiligen Erfolg."

Der UN-Sicherheitsrat hat die Islamische Republik Ende März aufgefordert, innerhalb von 30 Tagen als Zeichen des

guten Willens die Arbeiten an der Urananreicherung und damit an einem heiklen Teil des Atomkreislaufes auszusetzen.