Nachkriegsszenario: Wie war es in anderswo?  (t-news 16.4.)

Der Krieg im Irak ist vorbei und der Sturz Saddams scheint endgültig besiegelt. Nun blickt die Welt gespannt auf die Neuordnung des Landes. Der geplante Wiederaufbau mit Hilfe der Alliierten könnte stark an die frühere Umgestaltung besiegter Länder erinnern:

 

Afghanistan: Nach einem schnellen Sieg über das fundamentalistische Taliban-Regime überließen die USA die Neuordnung des Landes der Regie der Vereinten Nationen. Der Grundstein wurde 2001 auf dem Petersberg bei Bonn gelegt. Danach erhielt das Land eine eigene Regierung, die von einer internationalen Schutztruppe mit UN-Mandat abgesichert wird und deren Macht in den Außenbezirken der Hauptstadt Kabul endet. Der Aufbau, der mehr als 20 Jahren Krieg zerstörten Wirtschaft stockt, auch weil die zugesagten Milliarden nur spärlich fließen.

Kosovo: Für den Wiederaufbau im Kosovo, aus dem die Serben 1999 ohne UN-Mandat mit Nato-Luftangriffen vertrieben wurden, ist die UN-Interimsverwaltung UNMIK zuständig. Dabei soll die von der Nato geführte Kfor-Truppe den Aufbau von demokratischen Strukturen sichern. Trotz vielfältiger Auslandshilfen blieb die Wirtschaft desolat. Mehr als 400.000 Menschen haben keine geregelte Arbeit.

Bosnien-Herzegowina: Seit 1995 wird das Land - gemäß einem in Dayton geschlossenen Friedensvertrag - von einem hohen Repräsentanten überwacht, der über große Vollmachten verfügt. Mit Milliardenhilfen der internationalen Gemeinschaft wurde die im Krieg von 1992 bis 1995 zerstörte Infrastruktur weitgehend wieder aufgebaut. Wirtschaftlich blieb der von 3,9 Millionen Muslimen und Christen gebildete Staat jedoch ein Armenhaus.

Deutschland: Noch vor Kriegende stellten die Siegermächte im Februar 1945 in Jalta die Weichen für die Nachkriegsordnung. Geplant war die Aufteilung in vier Besatzungszonen und die Zulassung von Parteien. Die Amerikaner setzten einen Weststaat durch, für den Osten beschloss die Sowjetunion, dass sich der neue Staat an dem eigenen Gesellschaftssystem zu orientieren hatte. Fundamente der wirtschaftlichen Überlegenheit des Westens bis zur Wiedervereinigung 1990 waren Marshallplan, Marktwirtschaft und die Währungsunion.

Japan: US-General Douglas MacArthur verordnete dem besiegten Land 1947 eine Verfassung mit parlamentarischen Institutionen. Der Kaiser war nur noch Symbolfigur. Die großen Industrie- und Bankkonzerne wurden zerschlagen, die Wirtschaft dezentralisiert. Als Japan 1952 seine Souveränität wieder erlangte, waren die Voraussetzungen für einen rasanten Wirtschaftsaufschwung geschaffen.

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