Krieg gegen den Irak erscheint unausweichlich

Mit der Erklärung der US-Regierung, der Irak habe mit seinem Waffendossier "schwerwiegend" gegen die UN-Auflagen zu seiner Entwaffnung verstoßen, startet der offizielle Countdown für einen Krieg gegen das Regime von Saddam Hussein.

Powell: Irak verliert "letzte Chance"
Auch wenn die US-Regierung immer wieder betont, eine Entscheidung über einen Krieg sei noch nicht gefallen, scheint die Frage eines Waffengangs nur noch um das Wann zu kreisen, nicht mehr um das Ob. "Irak ist dabei, seine letzte Chance zu verlieren." Auch für US-Außenminister Colin Powell steht offenbar fest, dass es zu einer militärischen Aktion gegen den Irak kommen wird - der Feldzug könnte schon in wenigen Wochen beginnen.

Irak weist Kritik an Waffenbericht zurück - T-DSL

Blair stimmt Soldaten auf Krieg ein
Der britische Premier Tony Blair stimmt die britische Armee bereits auf einen Krieg ein: In seiner Weihnachtsbotschaft an die Soldaten forderte er sie auf, sich auf einen möglichen Krieg gegen Irak vorzubereiten. Es sei erforderlich, die nötigen Kapazitäten in der Region aufzubauen, um wenn nötig gegen Irak vorgehen zu können.

Aufmarsch am Golf bald abgeschlossen
Experten rechnen mit dem Beginn eines Krieges Anfang Februar. Die bis dahin verbleibende Zeit ermöglicht es den Planern des Pentagons, den Aufmarsch der US-Truppen am Persischen Golf abzuschließen. Erst am Donnerstag hatten weitere 50.000 Soldaten ihren vorläufigen Marschbefehl in die Region erhalten. Beim Countdown gegen Saddam spielt auch das Klima eine entscheidende Rolle: Nach Einschätzung von Militärexperten wird es in der irakischen Wüste schon im März zu heiß für einen mit modernsten Waffen zu führenden Krieg.

Israel wappnet sich gegen "Scud"-Angriffe
Aus Israel kommt ein weiteres Signal für einen baldigen Kriegsbeginn: Nach Medienberichten wird die Armee vom 15. Januar an in höchste Alarmbereitschaft versetzt, um auf mögliche irakische Verzweiflungsaktionen reagieren zu können: Im Golfkrieg 1991 hatte Saddam insgesamt 41 "Scud"-Raketen auf Israel abfeuern lassen. Am Wochenende werden 1000 US-Soldaten mit mehreren modernen "Patriot"-Luftabwehrbatterien eintreffen, um die israelische Luftabwehr zu verstärken. In einem groß angelegten Manöver Anfang Januar sollen die Truppen beider Länder die gemeinsame Verteidigung des israelischen Luftraums proben.

Saddams Strategie - "Verbrannte Erde"

Tag der Entscheidung: Der 27. Januar 2003
Auch der politische Zeitrahmen spricht für einen Kriegsbeginn Anfang Februar: Am 27. Januar will UN-Chefinspekteur Hans Blix dem Weltsicherheitsrat seinen abschließenden Bericht über die irakischen Massenvernichtungswaffen vorlegen. Sollte dieser die Vorwürfe gegen den Irak nicht nachhaltig entkräften, hätte Washington zumindest aus Sicht der Bush-Administration die nötigen Beweise gegen Saddam, um einen Krieg auch ohne einen neuen Beschluss des Weltsicherheitsrats führen zu können.

USA wollen offenbar weitere UN-Resolution abwarten
Doch auch das Einverständnis der Vereinten Nationen für einen Krieg gegen den Irak wird Washington wohl erhalten. Aus britischen Regierungskreisen verlautet, dass London eine zweite Resolution des Sicherheitsrats anstrebt, um einen Waffengang völkerrechtlich abzusichern. Und unter den ständigen Mitgliedern des Rates zeichnet sich Zustimmung ab. Russland und China haben nach Angaben britischer Regierungsvertreter inoffiziell ihr Einverständnis signalisiert. Eine entsprechende Resolution des Sicherheitsrates könnte schon wenige Tage nach Vorlage des Blix-Abschlussberichts verabschiedet werden.

Krieg erscheint unausweichlich
Hat der Irak also noch eine Chance, einen Krieg auf seinem Territorium abzuwenden? Nach Ansicht von amerikanischen Polit-Analysten würde die Bush-Administration ihre Entscheidung über Krieg und Frieden nur dann überdenken, sollte sich Saddam Hussein in letzter Sekunde entscheiden, seine geheimen Waffenarsenale vollständig offen zu legen. Nach den Erfahrungen mit dem irakischen Diktator seit dem Ende des Golfkriegs 1991 gilt dies jedoch als extrem unwahrscheinlich. Um mit US-Präsident Bush zu sprechen: "Der Irak wird entwaffnet werden, so oder so".

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