Jetzt wissen's auch die USA:

Bin Laden und Saddam keine Partner


t-news 16.6.04

Eine Zusammenarbeit zwischen dem Irak und dem El-Kaida-Terrornetz von Osama bin Laden hat es nach Erkenntnissen der US-Untersuchungskommission zum 11. September nicht gegeben. Das geht aus einem am Mittwoch veröffentlichten vorläufigen Ermittlungsbericht des Gremiums hervor. Eine Verbindung zwischen Bagdad und El Kaida war von den USA als einer der Hauptgründe für den Irak-Krieg angeführt worden. Noch vor wenigen Tagen hatte US-Vizepräsident Richard Cheney von einer Zusammenarbeit beider Seiten gesprochen. Das widerspricht dem Bericht der Kommission krass.

El Kaida sondierte erfolglos
Bin Laden habe zwar in den 90er Jahren die Möglichkeit einer Kollaboration mit dem damaligen Regime von Saddam Hussein sondiert. Ihm sei aber die kalte Schulter gezeigt worden, heißt es in dem Report des unabhängigen Ausschusses, den der US-Kongress zur Klärung der Umstände der Terroranschläge im Jahr 2001 eingesetzt hat. Er trat am Mittwoch in Washington zu einer zweitägigen Anhörung zusammen, der letzten vor der Veröffentlichung seines Abschlussberichts Ende Juli.

"Niemals geantwortet"
In dem vorläufigen Report zur Geschichte und Rolle der El Kaida bei verschiedenen Anschlägen heißt es im einzelnen, der Sudan habe Kontakte zwischen Bin Laden und dem Irak arrangiert, um seine eigenen Verbindungen zu Bagdad zu fördern. 1994 sei es zu einem Treffen zwischen Bin Laden und einem hochrangigen irakischen Geheimdienstbeamten gekommen. Bin Laden habe dabei dem Vernehmen nach einen Vorstoß zur Einrichtung von Terroristen-Ausbildungslagern unternommen. "Aber der Irak hat anscheinend niemals geantwortet", heißt es in dem Report.

 

Keine glaubwürdigen Beweise
Es habe weiter Berichte über spätere Kontakte mit dem Irak nach Bin Ladens Rückkehr vom Sudan nach Afghanistan gegeben, "aber sie haben anscheinend nicht zu einer Zusammenarbeit geführt", resümiert die Kommission. Insgesamt gebe es keine glaubwürdigen Beweise dafür, dass der Irak und El Kaida bei Anschlägen gegen die USA kooperiert hätten.

 

9/11-Anschläge nur "kleine Version"
Das Gremium kam im Zuge seiner Ermittlungen auch zu dem Schluss, dass ursprünglich nicht Anschläge mit vier, sondern mit zehn Flugzeugen geplant gewesen seien. So habe der Drahtzieher, Scheich Mohammed, auch Anschläge auf Hochhäuser und Kernkraftwerke an der Westküste sowie auf die Hauptquartiere der Bundespolizei FBI und des Geheimdienstes CIA im Raum Washington vorgehabt. Bin Laden habe sich aber für eine "kleinere Version" entschieden.

 

Kritik an Luftverteidigung
Weiter wurde bemängelt, dass die US-Luftverteidigung "katastrophal schlecht" auf die Anschläge vorbereitet gewesen sei. Das zuständige Kommando habe nur langsam und konfus auf die Entführung der vier Flugzeuge reagiert. Ein von Vizepräsident Cheney erlassener Befehl nach den beiden Anschlägen auf das New Yorker World Trade Center, etwaige weitere entführte Maschinen abzuschießen, habe die Kampfjetpiloten in der Luft nicht erreicht.