Irak-Frage: Diplomaten verstärkt aktiv
Zeitung: Regierung fürchtet US-Angriff

Trotz anhaltender Dementis aus Washington: In der Bundesregierung wächst nach Informationen der "Berliner Zeitung" die Sorge vor einem Angriff der USA auf den Irak schon im Herbst und den möglichen Folgen eines solchen Krieges für Deutschland. Bundeskanzler Gerhard Schröder und Außenminister Joschka Fischer verstärken deshalb in auffälliger Weise ihre Krisendiplomatie.

B-52-Bomber der USA über dem Irak 1991 (Foto: ddp)Depeschen-Tonlage
Neben aggressiven Aussagen amerikanischer Spitzenpolitiker über den bevorstehenden Kampf gegen die "Achse des Bösen" zeigen sich Kanzleramt und Auswärtiges Amt zunehmend irritiert durch Berichte der deutschen Botschaften in Washington und London. Danach strebt die US-Regierung den Beginn des Luftkrieges gegen den Irak möglichst noch vor den amerikanischen Kongresswahlen im Herbst an. Ziel sei, Saddam Hussein bis spätestens 2003 auszuschalten. So geben Experten die Tonlage der Depeschen wieder.

Warten auf Powell-Besuch
Der Kriegsausbruch könne, so mutmaßen Regierungskreise, durchaus in die Zeit der Bundestagswahlen im September fallen und damit in Deutschland für unkalkulierbaren Zündstoff sorgen. Wie die "Berliner Zeitung" erfuhr, erwarten Schröder und Fischer genauere Informationen über die US-Pläne vom Besuch des amerikanischen Außenministers Colin Powell am 9. April in Berlin. Powell wird zu den gemäßigten Politikern in der US-Führung gezählt. Powells Besuch diene, so heißt es in Berlin, auch der Vorbereitung des ersten Deutschland-Besuches von Präsident Bush am 23. Mai.

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