| Angesichts der zunehmenden Erfolge irakischer
Widerstandsgruppen haben die britische und die US-Regierung Militärexperten
in das besetzte Zweistromland geschickt, um die bisherige Strategie der
Aufstandsbekämpfung zu überprüfen und gegebenenfalls zu korrigieren.
London will laut Sunday Telegraph zudem zusätzliche 650 britische
Soldaten entsenden – zum »Schutz der Wahlen« am 30. Januar, so die
offizielle Sprachregelung. Die US-Regierung setzt dagegen auf
unmittelbaren Terror: Wie das US-Magazin Newsweek am Wochenende
berichtete, prüft das Pentagon die Rekrutierung kurdischer Peschmerga-Kämpfer
und schiitischer Milizen für die Jagd auf führende Widerstandskämpfer.
Diese Todesschwadrone sollen von US-Militärs ausgebildet und unterstützt
werden. Sie agieren unkontrolliert neben den regulären Streitkräften.
Vorbild ist der schmutzige Krieg gegen die linke FMLN-Guerilla im
lateinamerikanischen El Salvador in den 80er Jahren.
Erst am Freitag (Ortszeit) hatte US-Brigadegeneral David Rodriguez in
Washington erklärt, Widerstandskämpfer im Irak würden zunehmend stärkere
Bomben einsetzen. Als Beispiel führte er den präzisen Anschlag auf
einen Bradley-Schützenpanzer am Donnerstag in Bagdad an, bei dem alle
sieben Besatzungsmitglieder getötet wurden.
Nach einem Bombenangriff auf eine US-Patrouille südlich von Bagdad
schossen amerikanische Soldaten wild um sich und töteten mindestens
zwei irakische Polizisten sowie drei Zivilpersonen, wie die Polizei am
Sonntag mitteilte. Nach Krankenhausangaben gab es acht Tote und zwölf
Verletzte.
Im Nordirak wurde unterdessen eine ganze Familie ausgelöscht. Im
Dorf Aitha südöstlich von Mosul warf ein amerikanisches Kampfflugzeug
am Samstag eine 500-Pfund-Bombe auf ein Wohnhaus und tötete dabei 14
Bewohner. Fünf weitere Iraker wurden verletzt. Bei dem Angriff handelte
es sich um einen »Irrtum«, wie die US-Armee später mitteilte. Während
die Besatzungstruppen von »nur« fünf Opfern sprachen, erklärte ein
Fotograf der Nachrichtenagentur AP, er habe die Leichen von sieben
Erwachsenen und sieben Kindern gesehen.
Der »Zwischenfall« habe sich während der Suche nach Aufständischen
ereignet, erklärte die US-Armee. Dabei habe ein F-16-Kampfflugzeug eine
lasergesteuerte Präzisionsbombe über einem Haus abgeworfen, das
eigentlich hätte durchsucht werden sollen. »Das Haus war nicht das
beabsichtigte Ziel des Luftangriffs. Das eigentliche Ziel war ein
anderer Ort in der Nähe.« Der Vorfall werde untersucht, teilten die
Besatzungstruppen weiter mit. Die Armee bedauere »zutiefst den Verlust
möglicherweise unschuldigen Lebens«. Der Internetdienst freace.de
bemerkte hierzu richtig, de einzige Frage, die sich angesichts dieser
Sprachwahl stelle, sei, »ob es der Tod von 14 unschuldigen Zivilisten
oder diese Reaktion des US-Militärs ist, die weitere Iraker dazu
bringt, sich dem Widerstand anzuschließen«.
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