Irak-Frage: Wer sich wie verhält

Die große Mehrheit der europäischen Staaten ist derzeit gegen einen amerikanisch-britischen Alleingang gegen den Irak. Großbritannien und Spanien dagegen unterstützen klar die US-Position. Die meisten Staaten halten zumindest noch eine weitere UN-Resolution für erforderlich, bevor ein Krieg begonnen wird. Einige geben ihre Position noch nicht klar zu erkennen.

Nato: Die Nato hat noch nicht über eine Antwort auf die amerikanische Bitte um Unterstützung im Falle eines Irak-Krieges entschieden. Die USA hatten offiziell um eine Reihe unterstützender Maßnahmen gebeten, jedoch nicht um kämpfende Truppen. Vielmehr geht es beispielsweise um den Einsatz von Awacs-Flugzeugen. Entscheidungen innerhalb des Bündnisses müssen einstimmig fallen.

Griechenland/derzeitige EU-Ratspräsidentschaft: Ein US-britscher Alleingang wird abgelehnt. Außenminister Giorgos Papandreou betont: "Keine Entscheidung außerhalb des Rahmens der UN." Einen Krieg würde Athen auch nach einem Beschluss des UN-Sicherheitsrates ungern sehen.

Frankreich: Paris sprach sich gegen einen Alleingang der USA aus, befürwortet eine friedliche Lösung und will den UN-Inspektoren mehr Zeit geben. Vorbedingung für einen Militärschlag - und eine angedeutete Beteiligung Frankreichs - ist nach Ansicht der Regierung in Paris eine neuer Beschluss des UN-Sicherheitsrates. Dort will das Land möglicherweise sein veto einlegen

Großbritannien: London unterstützt die Irak-Politik der USA. Premierminister Tony Blair hält eine neue UN-Resolution zu einem militärischen Eingreifen im Irak zwar für wünschenswert, aber nicht für notwendig. Wenn sich die Mitglieder des UN-Sicherheitsrates "ihrer Verantwortung entziehen" sollten, müssen die USA und Großbritannien nach Ansicht von Blair allein gegen den Irak vorgehen.

Irland: Irland will, dass die UN-Inspektoren für ihre Arbeit mehr Zeit bekommen. Vor einem militärischen Eingreifen müssten die USA und Großbritannien auf jeden Fall noch einmal die UN konsultieren, sagt das Außenministerium in Dublin.

Italien: Die italienische Haltung ist im Hinblick auf einen Irak- Krieg nicht ganz klar. Die Regierung beharrt aber darauf, dass die UN das entscheidende Wort haben. Die Regierung will den USA jedoch Überflugrechte gewähren und Nato-Stützpunkte in Italien bereitstellen; über Truppen müsste erst das Parlament entscheiden.

Spanien unterstützt die Linie der USA praktisch ohne Abstriche. Madrid hält für einen Krieg gegen den Irak eine zweite Resolution des UN-Sicherheitsrates für wünschenswert, aber nicht für unerlässlich. Spanien dürfte den USA die Nutzung militärischer Stützpunkte erlauben. Über eine weitergehende spanische Beteiligung wurde noch nicht entschieden.

Portugal unterstützt die Irak-Politik der USA ziemlich vorbehaltlos. Lissabon würde einen Krieg gegen den Irak mit UN-Mandat ohne Einschränkung befürworten. Wie weit die militärische Unterstützung gehen würde, ist noch nicht entschieden. Ob die Portugiesen auch einen Krieg ohne neue UN-Resolution unterstützen würden, ist noch unklar.

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