"Grausam, unmenschlich und erniedrigend"

Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) hat massive Vorwürfe gegen die US-Streitkräfte in Afghanistan erhoben. Es gebe klare Hinweise darauf, dass die US-Soldaten Gefangene gefoltert hätten, teilte die US-amerikanische Organisation bei der Vorstellung des neuen Berichts in New York mit. Viele der dokumentierten Vorfälle seien "selbst im Rahmen von Krieg nicht zu entschuldigen".

Gefangene misshandelt
So sollen Zivilisten auf Grundlage falscher Geheimdienstinformationen willkürlich festgenommen worden sein. Bei Festnahmen sei "exzessive Gewalt" angewendet worden. Es gebe glaubwürdige und übereinstimmende Beschuldigungen, dass Gefangene geschlagen, mit Ketten gefesselt oder mit Schlafentzug gequält würden, heißt es in dem 59-seitigen Bericht.

Grausam und erniedrigend
Ehemalige Häftlinge berichteten, dass US-Soldaten sie verprügelt, mit kaltem Wasser überschüttet und frierend in der Kälte stehen gelassen hätten. Viele seien außerdem gezwungen worden wach zu bleiben oder über längere Zeit in schmerzhaften Stellungen zu verharren. "Es gibt zwingende Beweise dafür, dass die Taten an den Gefangenen seitens der USA einer grausamen, unmenschlichen oder erniedrigenden Behandlung gleich kommt", sagte Brad Adams, Direktor der Asien-Abteilung von Human Rights Watch.

Kinder fahrlässig getötet
Auch werde der Tod von Unbeteiligten in Kauf genommen. So sei bei der der Verhaftung eines Verdächtigen Mannes und seiner beiden Söhne ein Bauer erschossen worden. Die drei Festgenommenen wurden später wieder freigelassen. Kritisiert wurden auch Militäraktionen im Dezember vergangenen Jahres, bei denen in den Provinzen Paktia und Ghasni 15 Kinder getötet wurden.

Keine Rechtfertigung für Gewalt
Menschenrechtsverletzungen der Taliban und anderer radikalislamischer Rebellen könnten keine Rechtfertigung für die der US-Streitkräfte sein. Der Bericht trägt den Titel "'Enduring Freedom' - Misshandlungen der US-Truppen in Afghanistan". 'Enduring Freedom', - dauerhafter Frieden -, ist auch der Name des US-geführten Kampfeinsatzes in Afghanistan.

"Wir bemühen uns um Besserung"
Die US-Streitkräfte wiesen den Bericht zurück und erklärten, die Verfasser hätten die besondere Lage in dem von Konflikten erschütterten Land nicht berücksichtigt. Zum Tod von Unbeteiligten bei Militäraktionen sagte der amerikanische Oberstleutnant Bryan Hilferty: "Wir sind nicht vollkommen. Aber wir bemühen uns intensiv um Besserung."