"Unangemessene Haftbedingungen und Missbrauch"

Die USA unterhält angeblich ein weltweites Netzwerk geheimer Gefängnisse für Terrorverdächtige. Das berichtet die Menschenrechtsorganisation "Human Rights First". Die Haftanstalten lägen außerhalb der Reichweite von "angemessener Überwachung, Rechenschaft oder Gesetz", kritisiert die Organisation. Solche Einrichtungen gebe es unter anderem im Irak, in Afghanistan, Pakistan, Jordanien sowie auf US-Kriegsschiffen.

Organisation: Mehr als 24 Terror-Gefängnisse
Weltweit hätten die USA mehr als zwei Dutzend Gefängnisse errichtet, um Terrorverdächtige festzuhalten. Mindestens die Hälfte dieser speziellen Einrichtungen operierten in vollständiger Geheimhaltung. Die Organisation listet 17 US-Gefängnisse auf, deren Existenz die US-Regierung öffentlich eingeräumt hat. Zudem zählt sie 13 "mutmaßliche" Haftanstalten auf, deren Existenz von Washington nicht bestätigt wurde, über die es jedoch Berichte aus zahlreichen Quellen gebe.

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Zugang zu den Gefangenen gefordert
"Human Rights First" appellierte an die US-Regierung, dem Internationalen Komitee des Roten Kreuzes (IKRK) sofort Zugang zu allen Gefangenen zu gewähren, die im Rahmen des Krieges gegen den Terrorismus inhaftiert worden sind. Dem Roten Kreuz und dem Kongress müssten alle Standorte mitgeteilt werden.

Haftbedingungen sind nicht zu kontrollieren
Die Geheimhaltung mache "unangemessene Haftbedingungen und Missbrauch nicht nur wahrscheinlich, sondern unvermeidlich", heißt es in dem Bericht der Organisation. "Human Rights First" ist der neue Name der Anwälte-Organisation "Lawyers Committee for Human Rights", die sich nach eigenen Angaben seit etwa 25 Jahren mit Menschenrechtsfragen befasst.

Umgang mit Kriegsgefangenen In der Genfer Konvention geregelt

USA halten Iraker heimlich gefangen
Das US-Verteidigungsministerium hatte am Donnerstag eingeräumt, einen mutmaßlichen Terroristen mehr als sieben Monate lang heimlich gefangen gehalten zu haben. Das IKRK, das sich um das Wohlergehen von Gefangenen kümmert, sei nicht informiert worden, gab das Pentagon zu. Auch erhielt der Gefangene keine Identifikationsnummer. Beides steht im Widerspruch zu den Genfer Konventionen über die Behandlung von Kriegsgefangenen.

Rumsfeld verteidigt Vorgehen
Verteidigungsminister Donald Rumsfeld verteidigte dieses Vorgehen jedoch. Die Gründe dafür könne er öffentlich nicht nennen. Es sei aber nicht darum gegangen, das IKRK von dem Gefangenen fern zuhalten. Der Mann werde menschlich behandelt, fügte der Minister hinzu. Er sei auch nicht im berüchtigten Bagdader Gefängnis Abu Ghoreib. Dort waren irakische Häftlinge von US-Soldaten gefoltert und gedemütigt worden. Bilder dieser Misshandlungen hatten für Empörung gesorgt.

Anweisung vom Geheimdienst
Rumsfeld hätte die geheime Gefangenschaft auf Ersuchen von CIA-Direktor George Tenet angeordnet, sagte ein Pentagon-Sprecher. Der Geheimdienstchef habe darum gebeten, dem Häftling keine Seriennummer zu geben, solange die CIA damit beschäftigt sei, den präzisen "Status" des Mannes zu bestimmen. Der Gefangene soll ein hochrangiges Mitglied der kurdischen Rebellenorganisation Gruppe Ansar el Islam sein. Er habe sich auch an Anschlägen gegen die US-Streitkräfte im Irak beteiligt.