CIA warnte schon früher vor gefälschten Beweisen

Der Wirbel um die frisierten Kriegsbeweise gegen den Irak reißt nicht ab: Der Geheimdienst CIA hatte im vergangenen Oktober verhindert, dass US-Präsident George W. Bush dem Irak Kaufabsichten für Uran in Afrika unterstellte. Der Grund: Entsprechende Informationen erwiesen sich als gefälscht. Im Januar aber enthielt Bushs Rede zur Lage der Nation eben diesen Vorwurf. Warum der CIA hier nicht einschritt, ist fraglich.

 

Frisierte Beweise
CIA-Chef George Tenet, der noch von Bushs Vorgänger Bill Clinton ernannt worden war, hatte am Freitag die Verantwortung für die umstrittene Passage in Bushs Rede übernommen. Darin wurde dem Irak unterstellt, er habe versucht, in Niger Uran zum Bau von Atombomben zu kaufen. Die Regierung musste aber einräumen, dass der Vorwurf auf gefälschten Dokumenten basierte. Bush hatte sich dennoch hinter Tenet gestellt.

Zweifel an der Richtigkeit
Von den frisierten Beweisen aber warnte der CIA bereits im vergangenen Jahr, berichtet die "Washington Post" unter Berufung auf ranghohe Regierungskreise. Tenet habe persönlich darauf gedrängt, entsprechende Informationen nicht zu nutzen, da der CIA Zweifel an der Richtigkeit habe und sie nur aus einer einzigen Quelle stammten.

Redenschreiber kann sich nicht erinnern
Warum Tenet im Herbst 2002 bei einer weniger bedeutenden Rede Bushs intervenierte, drei Monate später bei der wesentlich wichtigeren Rede zur Lage der Nation hingegen nicht, sei nicht bekannt, berichtet das Blatt weiter. Bushs Haupt-Redenschreiber Micahel J. Gerson könne sich zudem nicht mehr erinnern, wer jene 16 Worte in das Manuskript geschrieben habe. Die von der US-Verfassung vorgeschriebene Rede wird traditionell im Januar vor beiden Kammern des US-Kongresses gehalten und hat in den USA eine hohe symbolische Bedeutung.

Öffentlichkeit mobilisiert
Besonders das Büro von Vizepräsident Richard Cheney habe darauf bestanden, dass Saddams Streben nach Atomwaffen eine prominente Rolle bei der Mobilisierung der Öffentlichkeit für den Irak-Krieg spiele. Cheney habe die Möglichkeit, dass Saddam in den Besitz von Atomwaffen komme, zum zentralen Thema seiner Reden im August 2002 gemacht, als die US-Öffentlichkeit auf den Krieg vorbereitet wurde.

Briten verteidigen sich
Die umstrittenen Informationen stammen vom britischen Geheimdienst. Außenminister Jack Straw hatte bereits eingeräumt, dass der CIA auch die britische Regierung davor gewarnt habe, die Uran-Passage zu verwenden. Sie war in einem vor dem Krieg veröffentlichten Beweis-Dossier aufgeführt. Premier Tony Blair soll mittlerweile aber ein Papier in Umlauf gebracht haben, in dem der Irak-Krieg auch für den Fall gerechtfertigt wird, dass dort keine Massenvernichtungswaffen mehr gefunden werden.

Blix: Fundamentaler Fehler
Nach den Worten des früheren UNO-Waffeninspekteurs Hans Blix täuschte sich die britische Regierung gründlich in ihrer Behauptung, der Irak habe innerhalb von 45 Minuten Massenvernichtungswaffen einsetzen können. Das sei ein "fundamentaler Fehler", sagte Blix dem "Independent". "Mir erscheint es höchst unwahrscheinlich, dass es dort Mittel gab, innerhalb von 45 Minuten auf Massenvernichtungswaffen zurückzugreifen."

T-Online