Folter im Namen des Kampfes gegen den Terror?  (T-news)

Ein mutmaßlicher Terrorist wird auf Guantanamo Bay von Wachen geführt (Foto: dpa) Nach der jüngsten Festnahme des Finanzverwalters von El Kaida, Khalid Scheich Mohammed, sind alte Fragen erneut aktuell geworden: Wie geht der CIA mit mit den Gefangenen um? Unter welchen Bedigungen leben sie, zum Beispiel im Internierungslager Guantanamo Bay? Und: Foltern die USA unter dem Deckmantel des Kampfes gegen den Terror? Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International sagt: Ja, die Amerikaner brechen bei ihren Verhören das Internationale Recht. Brutaler Schlafentzug, Kälte, Hunger und enormer psychologischer Druck gehören laut AI zu den US-Verhören von mutmaßlichen Terroristen.

Zwanzig versuchte Selbstmorde und zwei Tote
Das Weiße Haus dagegen behauptet, dass die Gefangenen bei den Befragungen mit "angemessenen Maßnahmen" behandelt werden. Gegen das, was die Verhörspezialisten aber darunter verstehen, protestiert Amnesty International heftig. Die zwanzig versuchten Selbstmorde in Guantanamo Bay und der Tod von zwei Vedächtigen in einem US-Verhör in Afghanistan wiesen auf brutale Verhörmethoden hin, so die Menschenrechtsorganisation. US-Militärermittler mussten bereits einräumen, dass die beiden eines gewaltsamen Todes gestorben sind.

"Verhörzentren" im Nahen Osten
Die Tageszeitung "USA Today" zitiert US-Geheimdienstmitarbeiter, die selbst Verhöre von Terrorverdächtigen miterlebt haben. Diese entwickelten ein Szenario, wie Khalid Scheich Mohammed vermutlich behandelt wurde und wird: Nachdem die pakistanische Polizei Mohammed am frühen Morgen aus dem Schlaf gerissen hat, wird er gefesselt und bekommt einen Sack über den Kopf gestülpt. Die Polizei fährt ihn zum Flughafen, wo er amerikanischen Ermittlern übergeben wird. Sie fliegen mit ihm zu einem geheimen "Verhörzentrum", wahrscheinlich in Afghanistan, Usbekistan oder auf Diego Garcia, einer Insel im Indischen Ozean.

El-Kaida-Finanzverwalter Khalid Scheich Mohammed nach seienr Festnahme (Foto: AP)Lügendetektor wird angeschlossen
Hier soll sein Widerstand gebrochen werden. Die Beamten, die das Verhör vornehmen, tragen Ohrhörer. So können Beobachter auf der anderen Seite einer verspiegelten Scheibe Einfluss auf das Gespräch nehmen. Sowohl El-Kaida- und Terror-Experten, als auch Verhörspezialisten werden anwesend sein. Sie schließen Mohammed an Maschinen an, die Schweiß, Stress in der Stimme und seine Pulsfrequenz messen, um ihn bei etwaigen Lügen zu ertappen.

Fangfragen, um Lügen herauszufinden
Anschließend werden unterschiedliche Dinge abgefragt: bekannte Fakten, um festzustellen, ob Mohammed die Wahrheit erzählt; Informationen, die auf Mohammeds eigenem Computer oder in seinen Unterlagen gefunden wurden; geplante Terroranschläge; Informationen von anderen Terrorverdächtigen, die noch nicht bestätigt sind.

Stressprogramm soll Mohammed mürbe machen
Nach Informationen von "USA Today" gehört zusätzlich ein Stressprogramm zu den gängigen Methoden: Mohammed bekommt große Mengen an Wasser eingeflößt. Falls er auf die Toilette muss, wird ihm das verweigert. Eine weiterer Trick ist Schlafentzug. Der Gefangene wird in einer völlig dunklen Zelle gehalten, um ihm jedes Gefühl für Tag und Nacht zu nehmen. Über eine Nachtsicht-Kamera beobachten die Wächter Mohammed und warten, bis er eingeschlafen ist. Dann stürmen sie die Zelle und schreien ihn an. Das Ziel: Der Gefangene soll durch Erschöpfung und und Desorientierung mürbe gemacht werden.

"Good Cop - Bad Cop"
Vielleicht verwenden die CIA-Spezialisten auch eine andere Technik, die unter dem namen "Good Cop - Bad Cop" bekannt ist: Zwischen rüden Verhörmethoden versucht einer der Interviewer, Mohammeds Vertrauen zu gewinnen. Er zeigt Respekt für dessen Rang und zollt ihm Achtung für die Anschläge vom 11. September. Diese Methode soll bei Gefangenen aus dem Nahen Osten besonders erfolgreich sein, berichtet "USA Today".

Walker-Lindh-Anwälte erhoben harte Vorwürfe
Beim einzigen Folter-Fall, der vor kurzem ein US-Gericht beschäftigte, erhoben die Anwälte des amerikanischen Taliban-Kämpfers John Walker Lindh schwere Vorwürfe. Sie behaupteten, ihr Mandant habe nie genug zu essen bekommen und sei ständig von Wachen aus dem Schlaf gerissen worden. Von ihnen soll Lindh auch mit Isolierband auf eine Liege gefesselt worden sein. Dann hätten sie sich gemeinsam mit ihm fotografieren lassen und behaupteten, dass die Bilder wertvoll seien, wenn er erst einmal hingerichtet sei. Im Prozess ließ Lindh aber die Vorwürfe doch fallen und plädierte für sich selbst auf "schuldig". Jetzt sitzt er eine 20-jährige Freiheitsstrafe ab.

Lukas Martin