Wusste Bush Bescheid?
BBC zitiert den namentlich nicht genannten Agenten, das Weiße Haus sei bereits
zehn Monate vor den Anschuldigungen von der CIA über deren Zweifelhaftigkeit
informiert worden. Ein früherer US-Diplomat habe im März 2002 auf ihre
hingewiesen, dass sie falsch waren. Diese Information habe auch das Weiße Haus
erhalten.
"Jeden Tag Hunderte von Berichten"
Das Weiße Haus verlor keinen Tag, um die Sache - wenn auch nur vage - zu
dementieren: Jeden Tag erhalte die Regierung Hunderte von
Geheimdienstberichten,so ein Sprecher. Ob dieser eine zum Präsidenten gelangt
sei, dafür gebe es keinen Anhaltspunkt. Fakt ist aber: Bush hatte mit
Gewissheit verkündet, über alle Vorgänge im Irak genau Bescheid zu wissen.
Schrittweiser Rückzug
Bereits gestern hatte Regierungssprecher Ari Fleischer zerknirscht zugeben müssen,
dass die Vorwürfe vom Uran-Kauf in Niger nur heiße Luft gewesen waren:
"Nach allem, was wir jetzt wissen, hätte der Hinweis auf den irakischen
Versuch, in Afrika Uran zu kaufen, nicht in (Präsident Bushs) Rede zur Lage der
Nation gehört."Fleischer reagierte damit auf den Schlussbericht des
britischen Irak-Untersuchungsausschusses, der die britische Regierung wegen der
Hinweise auf den angeblichen Uran-Kauf gerügt hatte.
Kongress fordert Untersuchung
Sollte sich allerdings herausstellen, dass die Geschichte von Saddams
Niger-Connection nicht nur ein peinlicher Irrtum sondern sogar eine bewusste Lüge
gewesen sein könnte, muss Bush sich warm anziehen: Demokratische Abgeordnete
und Senatoren fordern bereits eine eingehende Untersuchung. Die Abgeordnete
Janice Schakowsky stellte die Frage aller Fragen, die letztlich über Wahrheit
und Lüge entscheidet: "Hat der Irak wirklich eine unmittelbare Bedrohung für
unser Land dargestellt?"
Grundlegende Rechtfertigung war falsch
Joseph Wilson, der von der CIA entsandte Diplomat, der den Verdacht im
vergangenen Jahr in Niger untersucht hatte: "Es geht darum, dass die
Regierung die Fakten in einer Sache, die die grundlegende Rechtfertigung für
den Krieg war, falsch präsentiert hat." Da stelle sich die Frage: "
Wobei haben sie noch gelogen?"
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US-Grund für Irak-Krieg wohl falsch
"Hätte nicht in der Rede stehen sollen"
US-Präsident George W. Bush hatte dieses Argument immerhin an prominenter
Stelle der Welt vorgetragen - nämlich als er am 28. Januar 2003 in seiner Rede
zur Lage der Nation vor dem amerikanischen Kongress den anstehenden Waffengang
gegen den Irak begründete. "Mit dem Wissen, das wir heute haben, hätte
die Äußerung über Iraks Versuch, in Afrika Uran zu kaufen, nicht in der Rede
zur Lage zur Nation stehen sollen", zitiert jetzt die Zeitung
"Washington Post" einen Vertreter der US-Regierung.
Glaubwürdigkeit steht in Frage
Die Zeitung berichtete weiter, die US-Regierung habe faktisch eingeräumt, dass
die Geheimdienstberichte, die Bushs Rede zu Grunde lagen, falsch gewesen seien.
Die US-Regierung reagierte auch auf einen Bericht des Auswärtigen Ausschusses
des britischen Parlamentes vom Montag. Darin wurde der britische Premierminister
Tony Blair zwar vom Vorwurf entlastet, die Abgeordneten zur Rechtfertigung des
Irak-Kriegs mit irreführenden Informationen getäuscht zu haben. Zugleich aber
stellte der Bericht die Glaubwürdigkeit britischer Geheimdienstberichte in
Frage, die Bush auch in seiner Rede am 28. Januar zitiert hatte.
IAEA: Gefälschte Unterlagen
Tatsächlich scheint sich unter der Hand ein Streit zwischen den beiden Verbündeten
im Irak-Krieg zu entwickeln: Welcher Geheimdienst hat vor allem die
Fehlinformationen zu verantworten? Wie dem auch sei, dem Vorwurf, der Irak hätte
versucht in Afrika Uran zu kaufen, hatte die Internationale Atomenergiebehörde
(IAEA) bereits im März widersprochen und erklärt, er beruhe auf gefälschten
Unterlagen.
Keine Waffen gefunden
Dabei war dieser Vorwurf, der Irak besitze Massenvernichtungswaffen, einer der
Hauptgründe der USA und Großbritannien für den Krieg gegen das Land. Bislang
wurden allerdings keine solchen Waffen im Irak gefunden. Die britische und die
US-Regierung sehen sich der Kritik ausgesetzt, Geheimdienstinformationen über
Massenvernichtungswaffen manipuliert zu haben, um Argumente für den Krieg gegen
den Irak zu haben.