Erneut weltweite Proteste gegen einen Irak-Krieg

Anti-Kriegs-Proteste in Kassel (Foto: AP)Das anschwellende Kriegsgetrommel der US-Regierung hat am Wochenende erneut weltweite Proteste gegen einen Angriff auf den Irak hervorgerufen.

Sitzblockade vor US-Airbase in Frankfurt
Mehrere tausend Menschen demonstrierten Deutschland: In Karlsruhe versammelten sich rund 10.000 Kriegsgegner zu einer Kundgebung. In München und Nürnberg nahmen mehrere tausend Menschen an Demonstrationen teil. Am Frankfurter Rhein-Main-Flughafen versperrten rund 900 Menschen das Haupttor der US-Airbase. Am Nachmittag begann die Polizei, die auf 24 Stunden angelegte Sitzblockade zu räumen. Der US-Luftwaffenstützpunkt ist nach Angaben der Organisatoren der Kampagne "resist" eine wichtige Drehscheibe für den Truppenaufmarsch der US-Amerikaner und den Transport von Nachschubmaterial.

40.000 Menschen protestieren in Brüssel
In Brüssel demonstrierten 40.000 Menschen, auch in Spanien gingen Zehntausende auf die Straße. Rund 7500 Türken protestierten in der Hafenstadt Iskenderun gegen die Stationierung von US-Truppen, die dort bereits vor Anker liegen. In Washington ist ein Protestmarsch zum Weißen Haus geplant.

Großkundgebungen rund um den Erdball
In Irak selbst nahmen mehrere Hunderttausend an einer Kundgebung teil, die offenbar von der Regierung organisiert wurde. Auch im Jemen folgten Zehntausende dem Protest-Aufruf ihres Präsidenten Ali Abdullah Saleh. In Griechenland und Japan demonstrierten jeweils über 10.000 Menschen gegen einen Krieg. Weitere Großkundgebungen fanden in Frankreich, Großbritannien, Schweden, Russland, Zypern, Südkorea, Thailand, Neuseeland und Australien statt.

Spanier empört über Regierungschef Aznar
Spanische Demonstranten in mehreren Dutzend Städten empörten sich erneut über ihren Regierungschef José Maria Aznar, der zu den engsten Verbündeten der USA in der Irak-Frage zählt. Der Vorsitzende der Partei der Vereinigten Linken, Gaspar Llamazares, sagte mit Blick auf den für Sonntag geplanten spanisch-amerikanisch-britischen Gipfel auf den Azoren, dort träfen sich "die internationalen Gesetzesbrecher des Irak-Krieges".

Athen: "Bush in eine NASA-Rakete stecken"
In Athen zogen 10.000 Demonstranten zur US-amerikanischen Botschaft. "Wir werden Bush in eine NASA-Rakete stecken, damit er aufhört, Menschen umzubringen", sangen sie. Weitere 4000 Griechen demonstrierten in Saloniki. Rund 3000 griechische Zyprioten demonstrierten vor der US-Botschaft in Nikosia und verhängten den Zaun mit Anti-Kriegs-Transparenten.

Proteste in Paris, London und Stockholm
In Paris versammelten sich mehrere tausend Menschen auf dem Place de la Nation. Einige schwenkten eine US-Flagge, deren Sterne sie mit Hakenkreuzen übermalt hatten. Schwedische Redner appellierten vor 3000 Demonstranten in Stockholm an die USA und Großbritannien, ihre "Kriegshysterie" aufzugeben. 2000 britische Muslime riefen bei einem Protestmarsch durch London alle arabischen und islamischen Länder auf, einen US-Angriff auf Irak nicht zu unterstützen. Bei einer Gegendemonstration vor dem Parlament sprachen sich Exil-Iraker für einen Krieg und den Sturz des irakischen Regimes aus. In Moskau gingen etwa 1000 Anhänger der Kommunisten und anderer linker Parteien auf die Straße.

Sonntag: Mahnwachen in über 1000 Städten
Den Auftakt zu den weltweiten Protesten bildete Neuseeland, wo insgesamt etwa 4000 Demonstranten durch Christchurch und Dunedin zogen. Später protestierten Tausende von Australiern in Melbourne und Traralgon gegen die Unterstützung der USA durch ihre eigene Regierung. Über Seoul ließen zweitausend Südkoreaner als Symbol des Friedens Papiertauben steigen. In Thailand protestierten 1.000 Menschen vor der US-Botschaft in Bangkok. Für Sonntag waren Mahnwachen in über 1000 Städten geplant.

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