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Der Beginn eines Militärschlages gegen den Irak ist möglicherweise nur noch eine Frage von wenigen Tagen: Auffallend viele westliche Politiker haben an diesem Wochenende die Befürchtung geäußert, dass die Kriegskoalition unter Führung der USA in der kommenden Woche zuschlagen werde. So gingen beim Treffen der EU-Verteidigungsminister in Athen die meisten Delegationen davon aus, dass ein Krieg nicht mehr abzuwenden sei.

Militäraktion "wesentlich wahrscheinlicher"
In London sagte der britische Außenminister Jack Straw, eine Militäraktion gegen Irak sei zum gegenwärtigen Zeitpunkt "wesentlich wahrscheinlicher" geworden. Bundeskanzler Gerhard Schröder äußerte erstmals öffentlich Zweifel daran, dass ein Krieg noch zu verhindern sei. Einem Zeitungsbericht zufolge geht die Bundesregierung davon aus, dass Präsident Bush zu Wochenbeginn eine letzte Frist von 72 Stunden setzen werde.

Beginn der "letzten Phase vor dem Krieg"
Pessimismus herrschte vor allem beim Treffen der EU-Verteidigungsminister in Athen. Hier rechneten Diplomaten und Militärs mit einem Militärschlag im Laufe der nächsten Woche. Der britische Streitkräfteminister Adam Ingram bestätigte dabei die Einschätzung des belgischen Verteidigungsministers André Flahaut, dass wohl die letzte Phase vor einem Krieg begonnen habe. "Die Wortwahl in der jüngsten Zeit legt diesen Schluss nahe", sagte Ingram vor Journalisten.

Solana "nicht wirklich optimistisch"
Der EU-Beauftragte für die Außen- und Sicherheitspolitik, Javier Solana, meinte, er sei nicht wirklich optimistisch, obwohl es noch Raum für die Diplomatie gebe. Ähnlich äußerte sich der griechische Verteidigungsminister Giannos Papantoniou. Man könne nicht optimistisch sein, doch solange es noch Zeit für eine friedliche Lösung gebe, sollte sie genutzt werden, sagte er.

Reagiert Hussein auf den Druck?
Noch gebe es Spielraum für den irakischen Präsidenten Saddam Hussein, sich den Forderungen der Vereinten Nationen zur völligen Verschrottung seiner Massenvernichtungswaffen zu beugen, sagte der britische Außenminister Straw. Er bedauerte, dass die Aussichten auf einen Krieg gestiegen seien, doch sei nicht auszuschließen, dass Saddam Hussein auf eben diesen Druck reagiere und sich den UN beuge. Die Zeit laufe jedoch in Kürze ab. Großbritannien, die USA und Spanien wollen am Sonntag zu einem Gipfeltreffen auf den portugiesischen Azoren-Inseln zusammenkommen, um über die Irak-Krise zu beraten. Das Treffen gilt als möglicher "Kriegsrat" zur Vorbereitung eines Angriffs.

Kriegsbeginn gegen Ende kommender Woche?
Offenbar gibt es auch konkrete Befürchtungen, wann mit einem ersten Militärschlag zu rechnen ist: So erwartet die Bundesregierung einem Zeitungsbericht zufolge Anfang kommender Woche eine Entscheidung der USA zum Beginn eines Irak-Kriegs. Die "Stuttgarter Nachrichten" berichteten am Samstag unter Berufung auf Regierungskreise, Auswärtiges Amt und Kanzleramt gingen davon aus, dass US-Präsident George W. Bush zu Wochenbeginn eine letzte Frist von 72 Stunden setzen werde. Er werde in einer Rede die Mitarbeiter der Vereinten Nationen (UNO) auffordern, das Land zu verlassen. Das Auswärtige Amt wollte den Bericht nicht bestätigen.

Schröder: Deutschland würde sich an Wiederaufbau beteiligen
Bundeskanzler Gerhard Schröder äußerte zudem im Deutschlandradio Zweifel daran, ob sich ein Krieg gegen den Irak noch vermeiden lasse. Dennoch gebe er die Hoffnung auf eine politische Lösung der Krise nicht auf. Zuvor hatte Schröder erstmals angedeutet, dass Deutschland nach einem möglichen Krieg bereit sei, sich am Wiederaufbau im Irak zu beteiligen.

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