ist es ein zufall, dass zwei monate, bevor der
irak die fakturierung seiner ölexporte von dollar
auf euro umstellen wollte, der angriff der us-streitkräfte
erfolgte?
Siehe auch den Kommentar aus der JW weiter unten, der dieser These widerspricht.

Dieser Beitrag erschien ursprünglich unter dem Originaltitel "The Proposed Iranian Oil

Bourse" am 18. Januar 06 auf: www.EnergyBulletin.net


Dazu ein Artikel aus Spiegel-online

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Dazu sollte man noch zwei Texte auf Englisch lesen: 

Iran's Really Big Weapon
Petrodollar Warfare: Dollars, Euros and the Upcoming Iranian Oil Bourse

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Die iranische Ölbörse - der Todesstoß für den US-Dollar?

Für Krassimir Petrov haben die aktuellen außenpolitischen Spannungen mit

dem Iran einen handfesten ökonomischen Hintergrund. Die geplante iranischen

Ölbörse könnte den unausweichlichen Kollaps des Dollars auslösen

und hat damit das Potential, der Sargnagel für das amerikanische Imperium

zu werden. Der Autor erwartet weiters, daß die FED unter ihrem neuen Vorsitzenden

Ben Bernanke die drohende Finanzkrise mit der Notenpresse bekämpfen

werde. Nach einer hyperinflationären Phase sieht er Gold als neue,

alte Weltwährungsreserve.

I. Ökonomie der Imperien

Während ein Nationalstaat seine eigenen Bürger besteuert, kann ein Imperium andere

Nationalstaaten besteuern. Die Geschichte der Imperien, von den Griechen und den

Römern, bis zu den Osmanen und den Briten lehrt uns, daß das wirtschaftliche Fundament

jedes einzelnen Imperiums die Besteuerung anderer Staaten ist. Der Fähigkeit

andere Staaten zu besteuern, lag immer die größere Wirtschaftskraft des Imperiums

zugrunde, und als dessen Folge, die größere Militärkraft. Ein Teil der vom unterworfenen

Staat eingetriebenen Steuern diente der Erhöhung des Lebensstandards des Imperiums,

während der andere Teil in die Stärkung des Militärs floß, um die Steuereintreibung

durchzusetzen.

Historisch gesehen erfolgte die Besteuerung des unterworfenen Staates in verschiedenen

Formen. Normalerweise wurde dort Gold und Silber verlangt, wo Gold und Silber

als Geld fungierten, aber auch Sklaven, Soldaten, Getreide, Rinder oder andere landwirtschaftliche

Güter oder Rohstoffe, bzw. was auch immer für Güter das Imperium

verlangte und der unterworfene Staat liefern konnte, wurden als Steuer eingehoben.

Historisch gesehen war die Besteuerung durch ein Imperium immer direkt: der unterworfene

Staat lieferte die Güter dem Imperium direkt ab.

Zum ersten Mal in der Geschichte konnte Amerika im 20. Jahrhundert die Welt indirekt

durch Inflation besteuern. Es brauchte keinen Anspruch auf direkte Zahlungen erheben

wie es alle Vorgänger-Imperien zu tun pflegten, sondern die USA verteilen statt dessen

ihr eigenes Papiergeld, den US-Dollar, an andere Länder und erhalten dafür reale Güter.

Das alles geschieht mit der Absicht, den US-Dollar durch Inflationierung abzuwerten

und damit jeden Dollar später mit weniger Gütern zurückzuzahlen – die Differenz

entspricht der US-amerikanischen imperialen Steuer. Und so spielte sich der Prozeß

ab.

Im frühen 20. Jahrhundert begann die amerikanische Wirtschaft die Weltwirtschaft zu

dominieren. Der US-Dollar war an Gold gebunden, d.h. weder erhöhte noch reduzierte

sich der Wert eines Dollars, sondern er entsprach fortwährend derselben Menge Gold.

Die Weltwirtschaftskrise, mit der in den Jahren 1921 bis 1929 vorausgehenden Inflation

[d.h. Ausweitung der Geldmenge; Anm. d. Ü.] und den nachfolgenden explodierenden

Budgetdefiziten, erhöhte die im Umlauf befindlichen Banknoten signifikant, was die Deckung

des Dollars mit Gold unmöglich machte. Folglich entkoppelte Roosevelt [US-Präsident

Franklin D. Roosevelt, Anm. d. Ü.] 1932 den Dollar vom Gold. Bis zu diesem

Punkt mögen die USA wohl die Weltwirtschaft dominiert haben, aus einer ökonomischen

Perspektive waren die USA jedoch kein Imperium. Die Bindung an das Gold erlaubte

es den Amerikanern nicht, sich auf Kosten anderer Länder zu bereichern.

Seine ökonomische Geburtsstunde erlebte das amerikanische Imperium mit dem Bretton-

Woods Abkommen im Jahre 1945. Der US-Dollar war nicht mehr voll in Gold konvertierbar,

sondern nur mehr für ausländische Regierungen in Gold konvertierbar. Das

begründete den Status des Dollars als Weltwährungsreserve. Dies war möglich, weil

die Vereinigten Staaten während des 2. Weltkrieges gegenüber ihren Verbündeten darauf

bestanden, dass Güterlieferungen mit Gold bezahlt werden mußten, wodurch die

USA einen Großteil des weltweit verfügbaren Goldes akkumulieren konnten. Die Ausbildung

eines Imperiums wäre niemals möglich gewesen, wenn, wie im Bretton Woods

Abkommen festgeschrieben, die Geldmenge des Dollars derart begrenzt geblieben wäre,

sodaß eine Rückwechslung des Dollars in Gold möglich geblieben wäre. Allerdings

entsprach die „Butter und Kanonen"–Politik der 1960er Jahre bereits einer imperialen

Politik: die Geldmenge des Dollars wurde schonungslos erweitert, um den Vietnamkrieg

und Lyndon B. Johnsons [US-Präsident von 1963 – 1968; Anm. d. Ü.] „Great Society"

zu finanzieren. Der Großteil der Dollar floß im Austausch für Güter ins Ausland, ohne

daß die USA jemals ein ehrliches Interesse gehabt hätten, die US-Dollar zum selben

Wert zurückzukaufen. Die ständigen Handelsbilanzdefizite führten zu einem Anstieg der

Beteiligungen in US-Dollar von Ausländern und das ist gleichbedeutend mit einer Steuer

– die klassische Inflationssteuer, die ein Land seinen eigenen Bürgern auferlegt, hoben

dieses Mal die Vereinigten Staaten vom Rest der Welt ein.

Als die Ausländer 1970-1971 ihre Dollarbestände in Gold wechseln wollten, bezahlte

die amerikanische Regierung per 15. August 1971 ihre Schulden nicht mehr. Während

die vox populi die Geschichte von der „Trennung der Verbindung von Dollar und Gold"

erzählt, ist die Weigerung der amerikanischen Regierung Dollar in Gold einzulösen, in

der Realität eine Form des Bankrotts. Im Wesentlichen erhoben sich damit die USA

zum Imperium. Die USA konsumierten eine Unmenge an ausländischen Gütern, ohne

jemals die Absicht oder die Fähigkeit zu haben, diese Güter eines Tages zurückzusenden

und die Welt hatte nicht die Macht, ihre Ansprüche durchzusetzen – die Welt wurde

besteuert und konnte nichts dagegen tun.

Um das amerikanische Imperium aufrecht zu erhalten und um den Rest der Welt weiter

zu besteuern, mußten die Vereinigten Staaten seither die Welt dazu zwingen, den beständig

an Wert verlierenden Dollar im Austausch für Güter zu akzeptieren und immer

größere Menge des beständig an Wert verlierenden Dollar zu halten. Die USA mußten

eine ökonomische Begründung finden, warum die Welt Dollar halten sollte und diese

Begründung war das Rohöl.

1971 wurde es immer offensichtlicher, daß die amerikanische Regierung nicht mehr imstande

war, ihre Dollar mit Gold zurückzukaufen, und so traf sie 1972/73 mit Saudi-

Arabien die unumstößliche Vereinbarung, daß die USA das Königshaus Saud fortan

unterstützen würden, wenn dieses als Gegenleistung nur mehr US-Dollar für ihr Rohöl

akzeptiert. Die restlichen Mitglieder OPEC taten es Saudi Arabien gleich und akzeptierten

ebenfalls nur mehr Dollar. Weil die Welt Öl von den Arabischen Ländern kaufen

mußte, bestand ein Grund, Dollar für die Bezahlung des Öls zu halten. Weil die Welt

immer größere Mengen an Öl benötigte, konnte die Nachfrage nach Dollar nur steigen.

Auch wenn Dollar nicht mehr länger in Gold gewechselt werden konnte, waren sie nun

gegen Öl wechselbar.

Die ökonomische Quintessenz dieser Vereinbarung war, daß der Dollar nun von Öl gedeckt

wurde. Solange dies der Fall war, mußte die Welt Unmengen an Dollar akkumulieren,

weil sie diese Dollar für den Einkauf von Öl benötigten. Solange der Dollar die

einzig akzeptierte Währung im Ölgeschäft war, war die Dominanz des Dollars in der

Welt gesichert und das amerikanische Imperium konnte den Rest der Welt besteuern.

Falls, aus welchem Grund auch immer, der Dollar seine Öldeckung verlöre, würde das

amerikanische Imperium untergehen. Der Überlebensdrang des Imperiums diktiert daher,

daß Öl nur für Dollar verkauft werden darf. Er diktiert auch, daß die verschiedenen

Länder mit Ölreserven nicht stark genug sein dürfen, politisch oder militärisch, um für

die Bezahlung des Öls etwas anderes als Dollar zu verlangen. Falls jemand ein anderes

Zahlungsmittel verlangte, mußte er entweder mit politischem Druck oder militärischen

Mittel überzeugt werden, seine Meinung zu ändern.

Der Mann, der tatsächlich Euro für sein Öl verlangte, war Saddam Hussein im Jahr

2000. Zunächst wurde seine Forderung mit Spott und Hohn begegnet, später mit

Gleichgültigkeit, aber als es klarer wurde, daß er es ernst meinte, wurde politischer

Druck ausgeübt, damit er seine Meinung ändert. Als andere Länder, wie der Iran, die

Bezahlung in anderen Währungen, insbesondere in Euro und Yen, verlangten, war die

Gefahr für den Dollar offensichtlich und gegenwärtig und eine Strafaktion stand an.

[George W.] Bushs Operation „Schock und Ehrfurcht" [shock and awe] im Irak drehte

sich nicht um Saddams nukleares Potential, nicht um die Verteidigung der Menschenrechte,

nicht um die Verbreitung der Demokratie und auch nicht darum, die Ölfelder zu

erobern; es ging allein darum, den Dollar zu verteidigen, sprich das amerikanische Imperium.

Es sollte ein mahnendes Exempel statuiert werden, daß jeder, der andere

Währungen als den US-Dollar akzeptieren wollte, auf dieselbe Art bestraft würde.

Viele kritisierten Bush für seinen Angriff auf den Irak, weil sie glaubten, daß es Bush um

die Eroberung der irakischen Ölfelder ging. Allerdings können diese Kritiker nicht erklären,

warum Bush es überhaupt nötig hätte, diese Ölfelder zu erobern – er könnte ja

einfach kostenfrei Dollar drucken und mit diesen soviel Öl kaufen, wie er benötig. Er

muß daher andere Gründe für seine Invasion gehabt haben.

Die Geschichte lehrt uns, daß ein Imperium aus zwei Gründen in den Krieg ziehen soll:

(1) um sich zu verteidigen oder (2) um vom Krieg zu profitieren; falls nicht, wie Paul

Kennedy in seinem richtungweisenden Werk „The Rise and Fall of the Great Powers"

ausführt, die militärische Überdehnung die ökonomischen Mittel erschöpft und den

Kollaps des Imperiums herbeiführt. Ökonomisch betrachtet muß der Nutzen eines Krieges

dessen militärische und soziale Kosten übersteigen, damit ein Imperium einen

Krieg vom Zaun bricht. Der Gewinn aus den irakischen Ölfeldern ist kaum die Kosten

über viele Jahre hinweg wert. Nein, Bush mußte den Irak angreifen, um sein Imperium

zu verteidigen. Genau das ist in der Tat der Fall: zwei Monate nachdem die Vereinigten

Staaten in den Irak einmarschierten, wurde das „Oil for Food" Programm beendet, die

auf Euro lautenden irakischen Konto in Dollar-Konten rückgewandelt und das Öl wurde

wieder nur für US-Dollar verkauft. Die Welt konnte nun nicht mehr irakisches Öl mit Euro

erwerben. Die globale Vormachtstellung des Dollars war wiederhergestellt. Siegreich

stieg Bush aus einem Kampflugzeug aus und erklärte die Mission für vollendet – er

hatte den US-Dollar erfolgreich verteidigt und damit das amerikanische Imperium.

II. Die iranische Ölbörse

Die iranische Regierung hat schlußendlich die ultimative "nukleare" Waffe entwickelt,

die über Nacht das Finanzsystem zerstören kann, auf dem das amerikanische Imperium

aufgebaut ist. Diese Waffe ist die iranische Ölbörse, die laut Plan im März 2006

starten soll. Die Börse wird auf einem Euro-Öl-Handelssystem basieren, was natürlich

die Bezahlung in Euro impliziert. Dies stellt eine viel größere Bedrohung für die Hegemonie

des Dollars dar als seinerzeit Saddam, weil es jedermann ermöglicht, Öl für Euro

zu kaufen und zu verkaufen und damit den US-Dollar völlig zu umgehen. Es ist wahrscheinlich,

daß fast jeder das Euro-Öl-System übernehmen wird:

- Die Europäer bräuchten keine Dollar mehr zu kaufen und zu halten, um Öl zu kaufen,

sondern würden stattdessen mit ihrer eigenen Währung bezahlen. Die Einführung des

Euro für Öltransaktionen ließe die europäische Währung den Status einer Reservewährung

einnehmen, was den Europäern auf Kosten der Amerikaner zum Vorteil gereichen

wird.

- Die Chinesen und Japaner werden mit besonderem Eifer die neue Börse annehmen,

weil es ihnen erlaubt, ihre enormen Dollarreserven drastisch zu reduzieren und mit Euro

zu diversifizieren, womit sie sich gegen die Abwertung des Dollars schützen können.

Einen Teil ihrer Dollar werden sie auch in Zukunft halten wollen; einen zweiten Teil ihrer

Dollarreserven werden sie vielleicht sofort auf den Markt werfen; einen dritten Teil werden

sie für spätere Zahlungen verwenden, ohne diese Dollarbestände je wieder aufzufüllen,

denn sie werden dafür ihre Eurobestände erhöhen.

- Die Russen haben ein inhärentes ökonomisches Interesse an der Einführung des Euro

– der Großteil ihres Handels ist mit europäischen Ländern, mit ölexportierenden

Ländern, mit China und mit Japan. Die Einführung des Euro würde mit sofortiger Wirkung

den Handel mit den ersten beiden Blöcken abdecken, und im Laufe der Zeit den

Handel mit China und Japan erleichtern. Darüber hinaus verabscheuen die Russen offensichtlich

das weitere Halten von an Wert verlierenden Dollar, weil sie seit kurzem

wieder auf Gold setzen. Die Russen haben außerdem wieder ihren Nationalismus belebt,

und falls die Übernahme des Euros die Amerikaner umbringen kann, werden sie

ihn mit Freude übernehmen und selbstgefällig den Amerikanern beim Sterben zu

schauen.

- Die arabischen erdölexportierenden Länder werden den Euro begierig übernehmen,

um auf diese Weise den Anteil ihrer steigenden Mengen an den an Wert verlierenden

Dollars zu senken. Wie die Russen handeln sie vornehmlich mit europäischen Ländern,

weswegen sie die europäische Währung sowohl wegen ihrer Stabilität als auch als

Schutz gegen Währungsrisiken präferieren, ganz zu schweigen von ihrem Jihad gegen

den ungläubigen Feind.

Nur die Briten befinden sich in der Zwickmühle. Sie haben bereits seit Ewigkeiten eine

strategische Partnerschaft mit den USA, aber sie verspüren auch eine natürlich Anziehungskraft

zu Europa. Bislang hatten sie viele Gründe, sich an die Seite des Siegers zu

stellen. Wenn sie allerdings ihren alten Verbündeten fallen sehen, werden sie dann

standhaft hinter ihm stehen oder ihm den Gnadenstoß versetzen? Wir sollten nicht vergessen,

daß im Augenblick die beiden führenden Ölbörsen die New Yorker NYMEX

und die in London ansässige „International Petroleum Exchange" (IPE) sind, auch wenn

beide de facto im Besitz der Amerikaner sind. Es ist wahrscheinlicher, daß die Briten

mit dem sinkenden Schiff untergehen werden, denn andernfalls würden sie ihrem nationalen

Interesse an der Londoner IPE zuwiderhandeln und sich ins eigene Knie schießen.

Es darf an dieser Stelle nicht unerwähnt bleiben, daß das gesamte Gerede über

die Gründe für die Beibehaltung des Britischen Pfund die wahre Ursache verkennt; es

ist sehr wahrscheinlich, daß die Briten dem Euro nicht beitraten, weil die Amerikaner sie

zu diesem Verzicht drängten: ansonsten hätte die IPE den Euro übernehmen müssen,

was den Dollar und Englands strategischen Partner tödlich verwundet hätte.

Unabhängig davon wie die Briten entscheiden, sollte die iranische Ölbörse erfolgreich

starten, sind in jedem Fall die Eigeninteressen der bedeutenden Mächte – die der Europäer,

Chinesen, Japaner, Russen und Araber – so gelagert, daß diese Länder den

Euro auf schnellstem Wege übernehmen werden und damit das Schicksal des Dollars

besiegeln. Die Amerikaner können es niemals erlauben, daß das passiert und, falls

notwendig, werden sie auf eine Vielzahl an Strategien zurückgreifen, um die Inbetriebnahme

der Börse zu stoppen oder zu behindern:

- Sabotageakte gegen die Börse – das könnte ein Computervirus sein, eine Attacke gegen

ein Netzwerk, gegen die Kommunikationseinrichtungen oder gegen den Server,

verschiedenartige Angriffe auf die Serversicherheit oder eine Attacke nach dem Muster

von 9/11 gegen das Haupt- oder ein Nebengebäude.

- ein Staatsstreich – die mit Abstand beste langfristige Strategie, die den Amerikanern

zur Verfügung steht.

- Verhandlung von akzeptablen Konditionen – eine andere exzellente Lösung für die

Amerikaner. Gewiß ist ein Staatsstreich die bevorzugte Strategie, weil dieser die Nichtinbetriebnahme

der Börse garantiert und daher die amerikanischen Interessen nicht

mehr gefährdet wären. Falls jedoch ein Sabotageversuch oder ein Staatsstreich scheitern

sollte, dann sind Verhandlungen eindeutig die zweitbeste verfügbare Option.

- eine gemeinsame UN Kriegsresolution – das wird ohne Zweifel schwierig zu erreichen

sein, angesichts der nationalen Interessen der anderen Mitgliedsstaaten des Sicherheitsrates.

Die hitzige Rhetorik über das iranische Atomwaffenprogramm dient zweifelsohne

der Vorbereitung dieser Vorgehensweise.

- Unilater Angriff mit Atomwaffen – das ist aus denselben Gründen, die mit der nächsten

Strategie, dem unilateralen totalen Krieg verbunden sind, eine fürchterliche strategische

Wahl. Die Amerikaner werden wahrscheinlich für ihren schmutzigen nuklearen

Job auf Israel zurückgreifen.

- Unilateraler totaler Krieg – das ist offensichtlich die schlechteste strategische Wahl.

Erstens, weil die amerikanischen Streitkräfte von zwei Kriegen bereits erschöpft sind.

Zweitens, weil sich die Amerikaner damit weiter von den anderen mächtigen Nationen

entfremden. Drittens, weil Länder mit bedeutenden Dollarreserven entscheiden könnten,

still und leise Vergeltung zu üben, indem sie ihre eigenen Berge an Dollars auf den

Markt werfen, um auf diese Weise die USA von der weiteren Finanzierung ihrer militärischen

Ambitionen abzuhalten. Und schließlich hat der Iran strategische Allianzen mit

anderen mächtigen Staaten, die bei einem Angriff auf Seiten des Irans in den Krieg

eintreten könnten; angeblich hat der Iran solche Allianzen mit China, Indian und Rußland,

besser bekannt als die „Shanghai Cooperative Group", auch bekannt als „Shanghai

Coop" und einen separaten Pakt mit Syrien.

Welche strategische Option auch immer gewählt wird, von einem rein ökonomischen

Standpunkt aus gesehen, wird die iranische Ölbörse, sollte sie jemals den Betrieb aufnehmen,

von den bedeutenden Wirtschaftsmächten rasch angenommen werden und

wird so den Untergang des Dollars einläuten. Der kollabierende Dollar wird die amerikanische

Inflation dramatisch anheizen und einen starken Druck auf die Erhöhung der

Zinsen am langen Ende auslösen. An diesem Punkt wird sich die FED zwischen Scylla

und Charybdis wiederfinden – zwischen Deflation und Hyperinflation – sie wird entweder

dazu gezwungen sein, die „klassische Medizin" – Deflation – einzunehmen, indem

sie die Zinssätze erhöht und die FED wird so eine größere Wirtschaftskrise, den Kollaps

des Immobilienmarktes und eine Implosion des Anleihen- und Aktienmärkte, sowie

des Marktes für Derivate, kurz den totalen Zusammenbruch des Finanzsystems, auslösen.

Alternativ kann sie den Weg der Weimarer Regierung wählen und inflationieren,

indem sie die langfristigen Zinsen festschraubt, die Helikopter aufsteigen läßt und das

Finanzsystem in Liquidität ertränkt, inklusive dem bailing out von zahlreichen LTCMs

und der damit einhergehenden Hyperinflationierung der Wirtschaft.

Die österreichische Theorie des Geldes, des Kredits und des Konjunkturzyklus lehrt

uns, daß es keine Alternative zu Scylla und Charybdis gibt. Früher oder später muß

sich das Geldsystem in die eine oder andere Richtung bewegen und die FED damit zu

einer Entscheidung zwingen. Ohne Zweifel wird der Oberbefehlshaber Ben Bernanke,

ein renommierter Kenner der „Great Depression" und ein versierter Black Hawk – Pilot,

die Inflation wählen. „Helicopter Ben", der Rothbards „America’s Great Depression nicht

kennt, hat trotzdem die Lehren aus der „Great Depression" und der vernichtenden Kraft

der Deflation gezogen. Der Maestro [Alan Greenspan, Anm. d. Ü.] klärte ihn über das

Allheilmittel für jedes einzelne Problem des Finanzsystems auf – die Inflationierung,

egal was auch passieren mag. Er hat sogar die Japaner seine geniale und unkonventionelle

Methode gelehrt, wie sie die deflationäre Liquiditätsfalle bekämpfen sollen. Wie

sein Mentor träumte er vom Kampf gegen einen Kondratieff-Winter. Um eine Deflation

zu vermeiden, wird er auf die Notenpresse zurückgreifen; er wird alle Hubschrauber

von den 800 amerikanischen Militärbasen im Ausland zurück beordern; und falls notwendig

wird er alles, was ihm über den Weg läuft, monetisieren. Seine endgültige

Leistung wird die Zerstörung der amerikanischen Währung durch eine Hyperinflation

sein und aus ihrer Asche wird die nächste Reservewährung der Welt emporsteigen –

das barbarische Relikt Gold.

Über den Autor

Krassimir Petrov (Krassimir_Petrov@hotmail.com) erhielt seinen Ph. D. in

Volkswirtschaftslehre von der Ohio State University und unterrichtet im Augenblick

Makroökonomie, International Finance und Ökonometire an der "American

University" in Bulgarien. Er strebt eine Karriere in Dubai oder den Vereinigten

Arabischen Emiraten an.

Dieser Beitrag erschien ursprünglich unter dem Originaltitel "The Proposed Iranian Oil

Bourse" am 18. Jänner auf: www.EnergyBulletin.net

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Iran-Krieg wegen Dollar? Junge Welt

22.03.2006 / Ausland / Seite 3

Iran-Krieg wegen Dollar?

Teherans Plan einer Internationalen Ölbörse kein Kriegsgrund. Washington bereitet dennoch Angriff vor.

Von Winfried Wolf
Ein Gerücht beschäftigt viele Linke. Danach wird der drohende Krieg gegen den Iran von der US-Regierung vorbereitet, um einem Plan Teherans gegen die Dollar-Herrschaft zuvorzukommen. Tatsächlich hatte die iranische Führung angekündigt, am 20. März 2006 eine Internationale Ölbörse (International Oil Bourse/OIB) auf der Freihandelsinsel Kish im Persischen Golf in Betrieb zu nehmen. Auf dieser sollte Öl erstmals in Euro statt in US-Dollar abgerechnet werden. Obgleich der Start der neuen Öl-Börse, der im übrigen seit drei Jahren angekündigt wird, erneut verschoben wurde, erscheint vielen im linken Lager die Theorie einleuchtend. Hatte nicht auch Saddam Hussein vor Beginn des Irak-Kriegs 2003 angekündigt, das irakische Öl zukünftig nur noch in Euro fakturieren zu wollen? Kurz darauf kam der Krieg.

Es scheint auch einen Kronzeugen für diese Theorie zu geben: den republikanische Kongreßabgeordnete Ron Paul aus dem US-Bundesstaat und Ölland Texas. Seine Rede vom 17. Februar 2006 macht im Internet die Runde. Wer diese aufmerksam liest, erkennt allerdings, daß der gesamten Story eine fragwürdige Verschwörungstheorie zugrunde liegt. Danach ist es allein das böse Papiergeld, das die Welt regiert. Ron Pauls Grundthese lautet: »Als noch Gold als Zahlungsmittel benutzt wurde und als die Welthandelsgrundregeln den ehrenhaften Handel schützten, entwickelten sich produktive Nationen.« Als 1971 die Goldbindung des Dollars wegfallen sei, sei diese faktisch dadurch ersetzt worden, daß seitdem das Erdöl weltweit in Dollar abgerechnet wird. Immer dann, wenn die Ölpreis-Dollarkurs-Bindung und damit der Dollar als Leitwährung bzw. die USA als Weltmacht Nummer eins in Frage gestellt würden, würde die US-Regierung zu militärischer Gewalt greifen. Ron Pauls Folgerung: »Gewaltanwendung, um Leute zu zwingen, Geld ohne wirklichen Wert anzuerkennen, kann nur sehr kurzfristig erfolgreich sein. Am Ende wird dieses Modell zu einem ökonomischen Chaos führen.«

Weltmachtwährung


Tatsächlich sprechen drei Aspekte gegen die zitierte Theorie: Erstens ist der Dollar nicht primär Ölwährung. Der Ölhandel macht bei den Weltexporten nur gut ein Zehntel aus. Der Grund, weswegen mehr als 75 Prozent des Welthandels in Dollar abgerechnet werden, hat wenig mit dem Ölhandel zu tun. Der Grund dafür lautet: Die USA sind die entscheidende Wirtschafts- und Militärmacht der Welt und ihre Währung lautet auf Dollar.

Zweitens ist der Dollar nicht deshalb wichtig, weil er als Zirkulationsmittel beim Ölhandel dient. Für die täglichen Ölkäufe sind gerade mal 5,5 Milliarden US-Dollar erforderlich. Tatsächlich haben sich Ausländer in den USA in Anlagen in einer Höhe von 10000 Milliarden US-Dollar engagiert. Warum? Werden sie dazu gezwungen? Und wenn ja, von wem? Das ist Unsinn. Tatsächlich kann man mit den Kapitalanlagen in den USA einen maximalen Profit machen: wegen des höheren – gegenüber der EU mehr als doppelt so hohen – Wirtschaftswachstums, wegen der hohen Börsenkurse der US-Konzerne (deren »Marktkapitalisierung«), wegen des Immobilienbooms in den USA, wegen der optimalen Finanzstruktur bei den US-Börsen- und Finanzplätzen in New York und Chicago.

Drittens sollte bedacht werden: Das Dilemma eines Dollar, der »nichts wert« ist (Ron Paul), bei dem die Dollar-Gold-Basis aufgegeben wurde, existiert seit 35 Jahren. In der Geschichte der kapitalistischen Produktion ist das eine ziemlich lange Zeit. Der Grund für die seitdem weiter anhaltende »Dollar-Herrschaft« kann nicht die »Deckung durch den Ölhandel« sein, zumal gerade der Ölpreis in diesem Zeitraum extrem »volatil«, also von Ausschlägen nach oben und unten gekennzeichnet war und ist. Der Grund für die langanhaltende Hegemonie des Dollars liegt in erster Linie in einer US-Wirtschaft, die weiterhin beim Warenexport auf Platz zwei und bei den gesamten Ausfuhren (inklusive Dienstleistungen) auf Platz eins rangiert. Entscheidend ist vor allem: Die US-Wirtschaft und ihre Abrechnungseinheit US-Dollar können ihren Anspruch, auf dem Weltmarkt die Nummer eins zu sein, gegebenenfalls militärisch dokumentieren. Der Grund für die Dollar-Hegemonie liegt im übrigen auch darin, daß die EU keinen einheitlichen Block darstellt und der Euro eine höchst fragile, gerade einmal sechs Jahre alte Währung darstellt. Hinzu kommt, daß die EU ihre wirtschaftliche Macht bisher in keiner Weise militärisch untersetzen kann.

Weltmarktterror


Markt heißt Gewalt. Weltmarkt erfordert Terror. Weltmarktherrschaft erfordert die Massenvernichtung von Werten und die Bereitschaft, mit Kriegen und damit gegebenenfalls mit der massenhaften Vernichtung von Leben diesen Anspruch durchzusetzen. Beim drohenden Iran-Krieg geht es nicht um den Dollar. Sondern in erster Linie um den Anspruch aller westlichen Ökonomien, sich den Zugang zur entscheidenden Ressource Rohöl gegebenenfalls mit Gewalt, mit einem weiteren Krieg zu sichern. Und so stehen denn die EU-Staaten – einschließlich der Regierungen in Paris und Berlin – hinter den Kriegsvorbereitungen in Washington. Warum sollten sie dies tun, wenn der Krieg der Dollar-Herrschaft dient und wenn die Regierung in Teheran die eigene Währung, den Euro, fördern wollte?

Entscheidende Gründe für einen neuen US-Krieg


Die Kriegsziele der US-Regierung kann man einem offiziellen Sitzungsprotokoll des Unterausschusses Asien und Pazifik des US-amerikanischen Repräsentantenhauses aus dem Jahr 2000 entnehmen. In diesem heißt es: »Die neuen Länder (Aserbaidschan, Kasachstan, Turkmenistan, Kirgisien, Tadschikistan und Usbekistan), die Zentralasien ausmachen (...) haben einmal mehr die weltweite Aufmerksamkeit auf sich gezogen durch die phantastischen Öl- und Erdgasvorräte, die in der Region lagern ... Die erklärten energiepolitischen Ziele der USA für diese Region umfassen: die Stärkung der Unabhängigkeit dieser Staaten und ihrer Bindungen an den Westen; die Brechung des russischen Monopols über die Transportwege für Öl und Gas; das Betreiben einer Ost-West-Pipeline, die nicht durch den Iran führt; die Sicherung der Energieversorgung des Westens durch eine Vervielfältigung der Anbieter ... Vor allem wollen die USA verhindern, daß ein einzelnes Land die Kontrolle über diese Region erlangt.«

Seit dieser – wohlgemerkt: vor dem 11. September 2001 getätigten – Feststellung wurden diese Zielsetzungen Punkt für Punkt abgearbeitet. Die »Unabhängigkeit« der genannten – ohne Zweifel oft diktatorisch regierten – Staaten und deren »Bindungen an den Westen« wird systematisch »gefördert« – u. a. durch die Errichtung von Militärstützpunkten. Das »russische Monopol über die Transportwege für Öl und Gas« wurde gebrochen – durch die Ölpipeline Baku–Tbilissi–Ceyhan (Türkei), die 2005 in Betrieb genommen und für die der sehr hohe Betrag von vier Milliarden Dollar investiert wurde. Mit ihr kann das Öl aus der zweitwichtigsten Ölregion Kaspisches Meer unter Umgehung des russischen und des iranischen Gebiets über Aserbaidschan, Georgien und die Türkei direkt in den Westen geleitet werden. Schließlich soll verhindert werden, »daß ein einzelnes Land die Kontrolle über diese Region erlangt«. Der Iran ist das einzige Land, das im wichtigsten Ölgebiet der Welt, am Persischen Golf, ebenso präsent ist wie im zweitwichtigsten Ölgebiet, am Kaspischen Meer.

Die Regierung in Teheran versuchte, die US-Zielsetzungen mit einem neuen »Swap-System« zu unterlaufen: 2004 wurde eine neue Ölpipeline von Neka, der iranischen Stadt am Kaspischen Meer, nach Teheran in Betrieb genommen. Seither wird Rohöl aus den lukrativen kaspischen Ölfeldern Kasachstans, Turkmenistans und Russlands nach Neka verschifft. Von dort gelangt es zu den Raffinerien von Teheran und Tabriz, um den heimischen iranischen Markt zu versorgen. Im Gegenzug erhalten die Verkäufer Rohöl aus den iranischen Feldern am Persischen Golf, die in der Nähe der großen Tanker-Terminals liegen. Dieses auch »Cross Project« genannte System ist deutlich preisgünstiger als der Transport durch die 1700 Kilometer lange Pipeline Baku–Ceyhan. Es wurde zwei Jahre vor dem Machtantritt des neuen iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad verwirklicht. Die Tatsache, daß der Iran in den Besitz von Atomwaffen gelangen und damit eine weitreichende »Kontrolle über die Region« erlangen könnte, akzentuiert natürlich die Zielsetzungen der US-Regierung. Im Fall eines Kriegs gegen den Iran werden US-Kampfjets zwar auch mögliche Standorte der iranischen Atomtechnik bombardieren. Sie werden vor allem aber die Infrastruktur der iranischen Öltransportwege zerstören.