Dem Untergang geweiht"

Der Einsatz der deutschen Truppen in Afghanistan könnte noch gefährlicher werden, als bisher schon befürchtet: Der radikal-islamische Kriegsherr Gulbuddin Hekmatjar hat die Ausweitung des Einsatzes der Internationalen Schutztruppe in Afghanistan (Isaf) einen "großen Fehler" genannt. Sie sei "ein dem Untergang geweihter Versuch, den Interessen der USA zu dienen", heißt es nach Angaben der pakistanischen Nachrichtenagentur AIP in einer Mitteilung Hekmatjars vom 8. November. Als erster Schritt der Isaf-Ausdehnung begann Ende Oktober der Einsatz der Bundeswehr im nordafghanischen Kundus.

"Keine Verhandlungen mit Karsai"

"Wir verstehen nicht, was die EU dabei gewinnen will, indem sie sich an die Seite der US-Aggressoren in Afghanistan stellt", heißt es in der Mitteilung weiter. "So Gott will, werden die Amerikaner Afghanistan verlassen müssen." Verhandlungen mit der US-gestützten Zentralregierung unter Hamid Karsai in Kabul erteilte Hekmatjar eine klare Absage. "Gespräche könnten Sinn machen, wenn die Regierung Macht hätte. Aber die politische Macht liegt beim US-Botschafter in Kabul, die militärische beim Kommandeur der US-Streitkräfte."

 

Operation "Mountain Resolve" läuft
Hekmatjar rief wie die Taliban zum Dschihad - den "Heiligen Krieg" - gegen die US-Truppen und die Zentralregierung in Kabul auf. Der Aufenthaltsort des Kriegsfürsten, dessen Bewegung Hesb-i-Islami gegen die afghanische Regierung und die ausländischen Truppen im Land kämpft, ist unbekannt. Er wird aber in Ostafghanistan an der Grenze zu Pakistan vermutet. Dort starteten die US-geführten Koalitionskräfte mit der Operation "Mountain Resolve" vor kurzem eine neue Offensive. Hekmatjar regierte bis 1996 in Afghanistan. Er wurde von den Taliban gestürzt, hat sich dem von ihnen angeführten Widerstand inzwischen aber angeblich angeschlossen.

 

TV zeigt Bilder heftiger Kämpfe
Unterdessen werden die Kämpfe zwischen den US-Truppen und den Taliban offenbar immer heftiger: Der arabische Fernsehsender El Arabija zeigte angebliche Aufnahmen von Gefechten zwischen radikal-islamischen Taliban-Kämpfern und US-Soldaten in Afghanistan. Zudem strahlte der Sender eine Tonbandaufnahme eines Mannes aus, bei dem es sich um einen Sprecher der Taliban handeln soll.

 

Moslems sollen für den Sieg beten
"Die Streitkräfte der USA dachten, sie hätten uns nach der Besatzung Afghanistans ausgelöscht", sagte die Stimme des Sprechers. Die Taliban hätten sich jedoch neu organisiert. Der Mann forderte die Moslems auf, für einen Sieg der Taliban über die US-geführten Truppen im Fastenmonat Ramadan zu beten. In vielen moslemischen Staaten begann der Ramadan am 27. Oktober.

 

Taliban unterstützten Osama bin Laden
US-geführte Truppen hatten die Taliban 2001 gestürzt. Diese hatten dem Chef der radikal-islamischen El-Kaida-Organisation Osama bin Laden Unterschlupf gewährt. Etwa 11.500 Soldaten unter dem Kommando der USA liefern sich in Afghanistan weiter Gefechte mit Aufständischen.