Bushs Gründe für einen Krieg gegen den Irak (t-news 19.02.03)

Nur wenige wollen ihn, aber der Krieg gegen den Irak wird auch von vielen als unabwendbar bezeichnet. Grund dafür ist das hartnäckige Beharren von US-Präsident Bush auf einem Militärschlag gegen Saddam Hussein. Aber warum drängen die USA so vehement auf den Krieg, warum wollen sie keinen weiteren Aufschub dulden? Offiziell nennt der US-Präsident die Überzeugung, dass das Problem Saddam Hussein gelöst werden muss, bevor es zu weit größeren Gefahren führt. Das allein begründet das Vorgehen der USA jedoch nicht.

Das Schreckbild des 11. Septembers
Die irakische Bedrohung besteht aus Sicht des Weißen Hauses im möglichen Einsatz von Massenvernichtungswaffen und dem Risiko, dass solche Waffen in die Hände von Terroristen fallen könnten. Bush und seine Berater malen das Schreckensbild eines 11. Septembers mit chemischen, biologischen oder atomaren Waffen an die Wand: "Stellen Sie sich diese 19 Flugzeugentführer mit anderen Waffen und anderen Plänen vor, diesmal bewaffnet von Saddam Hussein", sagte Bush in seiner Rede zur Lage der Nation. Allein die Beweise für Massenvernichtungswaffen im Irak oder eine Verbindung zwischen dem Irak und dem internationalen Terrorismus sind die USA bislang schuldig geblieben.

Alles nur vertane Zeit?
Auch wenn diese Terror-Bedrohung tatsächlich gegeben sein sollte, stellt sich doch die Frage, warum den UN-Inspekteuren nicht mehr Zeit gegeben werden soll, den Irak auf friedliche Weise zu entwaffnen. Die Bush-Administration macht geltend, dass die Chancen sehr gering sind, jemals einen Beweis für die Existenz von Massenvernichtungswaffen zu finden. Bei seinem Auftritt am 5. Februar im Sicherheitsrat spielte US-Außenminister Colin Powell Tonbandaufnahmen mit Gesprächen irakischer Beamter vor, die belegen sollten, dass brisantes Material rechtzeitig vor den Inspektionen in Sicherheit gebracht wurde. Der französische Vorschlag, die Inspektionen drastisch auszuweiten, könnte dieses Problem jedoch lösen.

Natürlich ist auch Öl im Spiel
Während die Argumente der Terror-Gefahr daher im Ausland auf verbreitete Skepsis stoßen, kommen sie in der amerikanischen Bevölkerung aber überzeugender an als das Argument, die Stabilität der ölreichen Region dürfe nicht aufs Spiel gesetzt werden. Dabei ist die Bedeutung des Faktors Öl offenkundig, auch wenn die US-Regierung darauf besteht, dass Öl keine große Rolle spiele. Schließlich verfügt Irak nach Saudi-Arabien über die weltweit zweitgrößten Ölreserven. Diese Region lückenlos zu beherrschen muss daher das Ziel amerikanischer Außenpolitik sein.

Die Geister sind gerufen
Ein weiterer wesentlicher Faktor für den wachsenden Zeitdruck ist der bereits weit vorangetriebene Truppenaufmarsch. Mit inzwischen mehr als 150.000 Soldaten am Golf wächst in Washington auch die Sorge, dass eine Verzögerung des als unvermeidlich betrachteten Krieges mit steigenden Kosten, einer sinkenden Truppenmoral und einem verstärkten Anti-Amerikanismus einhergehen könnte. Es scheint ein Countdown begonnen zu haben, der kaum gestoppt werden kann.

Noch steht die "Koalition der Willigen" nicht
Gegen einen baldigen Kriegsbeginn spricht jedoch die unklare Zusammensetzung der von Bush ins Auge gefassten "Koalition der Willigen". Bei einer Einbeziehung der internationalen Gemeinschaft seien die Chancen für einen schnellen Erfolg weit größer als bei einem Krieg, der im wesentlichen von den USA und Großbritannien geführt werde, sagt der ehemalige Nationale Sicherheitsberater Sandy Berger. Aber das Weiße Haus kalkuliert damit, dass sich weitere Staaten schon noch anschließen. So war das immer. Und warum sollte es diesmal anders sein?

Nordkorea wartet schon
Die amerikanische Außenpolitik ist auch deswegen an einem schnellen Krieg gegen Irak interessiert, weil sie sich dann mit größerer Aufmerksamkeit dem Atomstreit mit Nordkorea zuwenden könnte. Denn Atomwaffen und Langstreckenraketen in nordkoreanischer Hand stellen möglicherweise eine noch größere Bedrohung dar als das irakische Potenzial. Der britische Premierminister Blair - Bushs engster Verbündeter in der Irak-Frage - hat denn auch schon angekündigt: "Nach dem Irak ist Nordkorea dran."

Im Namen des Vaters
Schließlich spielt vielleicht doch auch der persönliche Hintergrund Bushs eine Rolle - auch wenn der Präsident das verneint. Viele Konservative und Militärexperten sind der Auffassung, dass Bushs Vater als Präsident einen Fehler gemacht hat, als er den Golfkrieg von 1991 beendete, ohne Saddam Hussein gestürzt zu haben. Deswegen heißt es in Washington jetzt: Der jüngere Bush hat nun die Chance, den Job zu beenden. Gut in Erinnerung ist auch noch der Triumph Saddam Husseins als Bush Senior trotz gewonnenen Kriegs 1992 sein Amt an Bill Clinton verlor.

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