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Lügen 

07.01.2006
Die ehemalige Irak-Mitarbeiterin des Auswärtigen Amtes Susanne Osthoff war für die deutsche Auslandsspionage tätig.
Nach Pressemitteilungen gesteht Frau Osthoff, Opfer einer Entführung im besetzten Irak, Tätigkeiten für den Bundesnachrichtendienst (BND) ein.[1] Sie sei wissentlich als "Quelle" benutzt worden und habe für entsprechende Dienste auch Agentenlohn erhalten, heißt es in undementierten Berichten. Damit erhält die Entführung der angeblichen Archäologin den von ihren Entführern vermuteten Hintergrund und straft nachträglich sämtliche Schutzbehauptungen der Bundesregierung Lügen. In gutem Glauben an die PR-Mitteilungen des Auswärtigen Amtes hatten sich islamische Organisationen für die Freilassung der BND-Mitarbeiterin verwendet, die sie für eine humanitäre Helferin hielten, und sehen sich nun benutzt.
Die Spionage-Enthüllungen waren nicht zu vermeiden, da es zwischen Frau Osthoff und den deutschen Dienststellen im Irak zu einem Zerwürfnis gekommen ist. Wie diplomatische Quellen in Bagdad verbreiten, habe der zuständige BND-Führungsoffizier, bei dem Frau Osthoff nach eigenem Bekunden zeitweise nächtigte, in jeder Hinsicht versagt. german-foreign-policy.com hatte den geheimdienstlichen Hintergrund des Falles Osthoff bereits unmittelbar nach der Entführung als einziges deutsches Pressemedium deutlich gemacht [2], aber war wegen dieser Berichterstattung kritisiert worden. Die Veröffentlichung der politischen Hintergründe würde den Bemühungen der Bundesregierung um Freilassung von Frau Osthoff schaden, hieß es in einer Zuschrift, die german-foreign-policy.com am 8. Dezember seinen Lesern ebenso zur Kenntnis brachte wie die Antwort der Redaktion.[3]