Stuttgarter Friedensinitiative

 

 

Was hat mein Handy

mit Terror und Krieg zu tun?

 

Oder: Wie wenig wissen wir wirklich von der Welt?

Zum Beispiel Afrika

 

Kongo  Wann immer irgendwo in der Welt Handys läuten, läuten in Zentralafrika die Totenglocken. Schuld daran ist Coltan. Wahrscheinlich haben die wenigsten Menschen hierzulande schon etwas von diesem Mineral gehört, aber ohne Coltan würden Handys nicht funktionieren.

80% der Weltreserven liegen in der Erde Afrikas, und 80% der afrikanischen Vorkommen sind auf dem Gebiet der Demokratischen Republik Kongo. Coltan ist gegen sehr hohe und sehr niedrige Temperaturen unempfindlich, es ist leicht abbaubar, sein Preis ist so hoch wie jener von Gold, und eigentlich müsste Coltan die Kongolesen reich machen. Aber ganz im Gegenteil, es ist eine der Ursachen für den blutigsten Krieg Afrikas.

In den vier Kriegsjahren seit 1998 sind 1,7 Millionen Menschen verschwunden oder getötet worden, 1 Million wurden zu Flüchtlingen. Bewaffnete aus sechs Nachbarstaaten (Uganda, Ruanda, Burundi, Namibia, Simbabwe und Angola) kämpfen im Kongo. Denn in der Republik Kongo gibt es neben Coltan Diamanten, Gold, Kupfer, Kobalt, Titan, Mangan, Blei, Zink, Niob (Mineral für die Elektronik, Raumfahrt und Nuklearmedizin) und die Energiestoffe Kohle, Erdöl und Uran.

Westliche Minen- und Handelsgesellschaften ringen erbittert um ihre Geschäftsmöglichkeiten. Als Gegenleistung und zur Absicherung für lukrative Abbaugenehmigungen finanzieren sie immer wieder Söldnertruppen und Militäroperationen. In afrikanischen Zeitungen werden diese Konzerne hin und wieder beim Namen genannt: die US-amerikanische Barrick Gold Corporation (zu deren Aktionären der ehemalige US-Präsident George Bush Senior zählt), die vom israelischen Exgeneral David Agmon geleitete australische Russel Ressources, die kanadische Banro American Ressources und die österreichische Krall-Gruppe.

Auf dem Hintergrund dieser Interessenlage betreiben die USA und auch die UNO offen den Zusammenbruch des Kongo, damit eine lockere Föderation von Provinzen oder mehrere Kleinstaaten an seine Stelle treten können. Im Februar 2000 verabschiedete der Sicherheitsrat die Resolution 1291, die es den Armeen der Nachbarstaaten erlaubt, weiterhin im Land zu bleiben und die Teilung der Republik Kongo voranzutreiben. Kommentar des US-Gesandten bei den Vereinten Nationen, Richard Holbrooke: " Es ist uns gelungen, die UNO zu überzeugen, das Konzept unserer Militärplaner anzunehmen". Dieses Konzept heißt "teile und herrsche“.

 

Sierra Leone  Auch in Sierra Leone tobt ein Bürgerkrieg, dessen Ursachen eng mit Rohstoffvorkommen verknüpft sind. Seit ca. 15 Jahren ist der Staatsapparat weitgehend zusammengebrochen. Aber im Westen akzeptiert man seine verbliebenen Repräsentanten, denn sie lassen die kanadischen, belgischen, US-amerikanischen, britischen und südafrikanischen Minengesellschaften schalten und walten. Inzwischen wurde jeder Quadratzentimeter des Landes verschachert, in Form von Konzessionen für Diamanten, Gold, Bauxit (Rohstoff für die Aluminiumerzeugung) oder Rutil (Titanoxid, dient u.a. zur Erzeugung von Farben und Lacken). Vier Unternehmen haben sich den Löwenanteil angeeignet: Global Exploration Corporation, Rex Mining Corporation (Belgien), Diamond Works (Kanada) und Sierra Rutile - Nord Ressources. Es geht bei diesen Geschäften um Schmuckdiamanten im Wert von jährlich mehr als einer Milliarde Dollar, um das zweitgrößte Rutilvorkommen der Welt und um Bauxitreserven, die den Weltmarktkurs beeinflussen können. Deshalb trat auch die ehemalige Kolonialmacht Großbritannien auf den Plan und entsandte ein Militärkontingent zur Unterstützung der sierra-leonischen "Regierung" gegen die "Rebellen".

 

Somalia  „Terroristennest“ „Möglicher Zufluchtsort für bin Laden“ US-Geheimdienste und „Spezialtruppen“ bereits im verdeckten Einsatz. Deutsche Soldaten in „uneingeschränkter Solidarität“ vor den Küsten und in den Grenzländern Dschibuti und Kenia. Bereits im November wurde damit begonnen, das Land von der Außenwelt abzuschneiden. Der einzige Internetprovider des Landes, erst ein Jahr zuvor gegründet, das größte Telekomunternehmen und die wichtigste Bank „Al Barakaat“ wurden auf Druck der USA blockiert. Seitdem ist es den Menschen kaum mehr möglich, ins Ausland zu telefonieren. Überdies kann auch kein Geld mehr ins Land überwiesen werden. Die überwiegende Mehrzahl der Menschen ist aber genau davon abhängig.

Das Land mit seinen 9,6 Millionen Einwohnern besitzt im Unterschied zu anderen Ländern wenig Bodenreichtümer. Außer Viehhandel gibt es kaum einen nennenswerten Wirtschaftszweig. Immer wieder Hungerkatastrophen. Derzeit sind  300 000 Menschen nach Angaben der Vereinten Nationen unmittelbar vom Hungertod bedroht. Frühzeitige Hinweise des Welternährungsprogramms (WFP) der UNO blieben ungehört... Kindersterblichkeit: 12,2%. Ein Arzt auf über neunzehntausend Einwohner. Seit 1991 gibt es keine Regierung mehr, örtliche Clans und Kriegsherren kämpfen untereinander um die Macht. Ganze Regionen spalten sich ab (Somaliland, Puntland).

 

Menschen haben keinen "Wert" Länder wie Sierra Leone oder Kongo sind allein wegen ihrer auf dem Weltmarkt absetzbaren Rohstoffe für den Westen interessant. Dass etwa Kongo selbst in die Produktion von Mikroelektronik einsteigen könnte, für die das Land ein so wichtiges Mineral hat, ist heute eine irreale Vorstellung geworden. Die Träume von der eigenständigen Entwicklung sind vorbei, veraltete, meist als unrentabel stillgelegte Fabriken aus den Sechziger- und Siebzigerjahren legen davon Zeugnis ab. Das wenige, was an industriellem Kapital da war, ist zu einem großen Teil der Konkurrenz des Weltmarkts unterlegen.

Die Funktion dieser Länder im Rahmen der Globalisierung ist es, Rohstoffe aller Art billigst auf den Markt zu bringen. Dazu braucht es oft nicht einmal Staaten, es reichen - wie bei Coltan - Banden, die Lagerstätten kontrollieren und die Bevölkerung mit Krampen und Schaufel zum Abbau zwingen. Oder ein paar lokale Warlords, die den Bergbaukonzernen den ungestörten Betrieb von Mine und Transport ermöglichen. Alles andere, die Menschen, die Kultur, die Umwelt, gilt als wertlos, weil nicht verwertbar. Und für anderes hat die Weltmarktwirtschaft – trotz gelegentlicher Sonntagsreden - kein Organ.

Länder wie Somalia und seine Menschen sind für den globalisierten Markt noch nicht einmal mehr für die Ausbeutung interessant und insoweit eigentlich gänzlich „überflüssig“. Einzig ihre geostrategische Bedeutung für die Absicherung großer Warenströme zählt noch. Im Falle Somalias durch seine Lage am Horn von Afrika, im Falle Afghanistans als mögliches Transitgebiet für Ölpipelines. Aber das ist nur eines der Probleme, die der Westen mit solchen Ländern hat. Denn ganz ähnlich wie in Afghanistan ist es auch in Somalia oft noch die beste Überlebenschance, sich irgendeiner bewaffneten Bande anzuschließen. Kriminalität, Drogenhandel und Migration in die reicheren Weltgegenden sind oft die einzige „Alternative“, die den Menschen noch bleibt. So schafft sich die Marktwirtschaft ihre Probleme selbst.

 

Hunger, Tod und Terror.

 Tägliche Wirklichkeit für Millionen.

Die globalisierte Marktwirtschaft geht über Berge von Leichen.

 

„Wenn wir in die Terrornetze eindringen, stoßen wir auf effektiv arbeitende Finanzsysteme und hochmoderne Technologien ...“ (George W. Bush)                                                Gar nicht so falsch, Mr. President!

 

 

Quellen: Süddeutsche Zeitung online / Daniel Sturm: „Afrika - Wenn Rohstoffreichtum zum Fluch wird“ http://members.blackbox.net/oebgdk   /  www.erdkunde-online.de / Atlas der Weltverwicklungen, Bielefeld 1992

 

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