18 Monate Besatzung und Militärgerichte

Während die UN-Inspektoren im Irak noch nach Masssenvernichtungswaffen suchen, hat die US-Regierung ihre Planung für einen Nachkriegs-Irak schon fast abgeschlossen: In der mindestens 18-monatigen Besatzungsperiode durch amerikanische Truppen sind Prozesse gegen Saddam Hussein und seine Helfer vor Militärgerichten geplant. Ein ziviler und einem militärischer Befehlshaber sollen das Land gemeinsam in die Demokratie führen, berichtet die "New York Times".

Ziviler Verwalter soll von der UN bestimmt werden
Damit hat die US-Regierung ihre Pläne offenbar geändert, um die Skepsis in den arabischen Staaten zu zerstreuen. Ein von der UN bestimmter ziviler Verwalter soll nun die irakische Wirtschaft wieder ankurbeln, das politische System und die Schulbidung reorganisieren. Bisher sahen die Berater von Präsident Bush vor, dass ein amerikanischer Militär allein die Führung des Landes übernehmen würde. Dies ist vor allem in islamischen Ländern auf heftige Kritik gestoßen.

US-General soll einflussreich bleiben
Nun soll der Irak nach einem möglichen Krieg von einer Mischung aus ziviler und militärischer Regierung in die Demokratie geführt werden, berichtet die "New York Times". Während der UN-Verwalter den zivilen Bereich organisiert, wird ein gleichberechtigter amerikanischer Militär für die Sicherheit zuständig sein. In den ersten chaotischen Monaten nach einer Kapitulation würde dieser Soldat, voraussichtlich General Tommy Franks, allerdings eine praktisch uneingeschränkte Gewalt ausüben. Damit würde die US-Armee nach wie vor das wichtigste Element bei der Gestaltung des Iraks bleiben.

US-Militär will Ölfelder schützen
Ein zentraler Punkt in den Plänen sind die Ölfelder. Regierungskreise befürchten, dass Saddam Hussein schon in den ersten Tagen eines Krieges die Ölquellen zerstören wird - und dafür die USA beschuldigt. Deshalb haben die Spezialisten eine Reihe von Szenarien entwickelt, um die Ölfelder zu schützen. Die Ölvorkommen, die zweitgrößten der Welt, bilden die Grundlage für eine wirtschaftliche Erholung des Landes.

Truppen bleiben 18 Monat im Irak
Die Pläne der US-Regierung sind der ehrgeizigste Versuch der USA für den Wiederaufbau eines Landes seit der Besatzung von Deutschland und Japan nach dem Zweiten Weltkrieg. Dafür müssten amerikanische Truppen mindestens 18 Monate im Irak präsent sein, um Saddams Militärapparat zu zerschlagen, Kriegsverbrecher aufzuspüren, Massenvernichtungswaffen zu zerstören und das oberste Ziel zu verfolgen: Verhindern, dass der irakische Staat im Bürgerkrieg zerfällt.

Nur Schlüsselfiguren zur Verantwortung ziehen
Auch wenn viel davon abhängt, ob die amerikanischen Soldaten freundlich empfangen werden - die US-Regierung will auf keinen Fall den Eindruck einer Kolonialherrschaft entstehen lassen. Dafür muss laut "New York Times" so schnell wie möglich ein demokratischer Irak aufgebaut werden. Nur die Schlüsselfiguren der Regierung sollen deshalb entfernt und von Militärgerichten nach Art der Nürnberger Prozesse bestraft werden. Während auch die Revolutionsgerichte und die Sicherheitsorganisation abgeschafft werden, soll die restliche Verwaltung in ihren Strukturen bewahrt und reformiert werden.