22.05.2009 / Ausland / Seite 6

Giftmüll bei Ramallah

30 US-Dollar pro Tonne: Israelische Unternehmen nutzen das Westjordanland als billige Deponie

Mel Frykberg (IPS), Ramallah
Israel hat im Westjordanland eine preiswerte und praktisch nicht kontrollierte Müllkippe auch für giftige Abfälle entdeckt. Wie die palästinensische Umweltbehörde (PEA) kritisiert, deponiert Israel auf der anderen Seite der Grenze seit Jahren alles, was es selbst nicht entsorgen möchte. Shuqbah, ein Ort mit 5000 Einwohnern unweit von Ramallah, ist einer der Plätze, den israelische Unternehmen als Mülldeponie mißbrauchen. Nicht mehr als 30 US-Dollar je Tonne nimmt der palästinensische Mittelsmann und läßt auf seinem Grund und Boden abkippen, was immer seine Kunden wollen.

Nach Angaben der PEA wurden ferner in der Nähe von Nablus im Norden des Westjordanlandes Tausende Kadaver von Hühnern verscharrt, die mit dem Geflügelpestvirus infiziert waren und gekeult werden mußten. 500 Fässer mit Insektiziden lagern in Hebron im Süden des Westjordanlandes. Auch hier war ein Palästinenser bereit, gegen entsprechende Bezahlung sein Land zur Verfügung zu stellen.

»Gezielt suchen sich die Israelis für solche Operationen Arme, die große Familien zu unterstützen haben und Geld von jedem annehmen«, moniert der stellvertretende PEA-Chef Jamil Mtoor. Es sei außerordentlich schwer, gegen korrumpierte Palästinenser vorzugehen und die vielen mit israelischem Abfall gefüllten Deponien zu beobachten. Abgekippt und umgehend vergraben werde der Müll zum Teil in der Nacht.

Hinzu komme, daß Israel über 40 Prozent des Westjordanlandes das Sagen hat. Das Palästinensergebiet ist in die Zonen A, B und C eingeteilt. Nur für das als A ausgewiesene Territorium ist allein die palästinensische Autonomiebehörde (PA) zuständig. Das unter B fallende Gebiet wird gemeinsam, das unter C fallende Gebiet allein von Israel kontrolliert. Will die PA gegen Umweltsünder vorgehen, braucht sie daher in vielen Fällen das Einverständnis Israels. »Das aber wird uns oft nicht oder erst nach endloser Wartezeit gegeben«, unterstreicht Mtoor.

Massive ökologische Probleme verursachen auch die israelischen Siedlungen, die Festmüll und Abwässer ohne weitere Aufbereitung entsorgen. So gelangen keineswegs nur Haushaltsabfälle, sondern auch Pestizide in die Flüsse und ins Grundwasser. Zudem reklamiert Israel 87 Prozent des Grundwassers im Westjordanland für sich. Laut PEA verbraucht ein israelischer Siedler bis zu 200 Liter Wasser am Tag, während viele der 2,5 Millionen Palästinenser mit 30 bis 60 Liter Wasser pro Kopf und Tag auskommen müssen.

Schon vor Jahren konnte die Umweltorganisation »Friends of the Earth Middle East« (FoEME) nachweisen, daß das Grundwasser im Westjordanland mit Arsen und Schwermetallen wie Kadmium, Blei und Quecksilber belastet ist. »Die Bedrohung für das Trinkwasser besteht bis heute«, sagt FoEME-Sprecherin Miri Epstein.