23.01.2007 / Schwerpunkt / Seite 3

Demokraten schlimmer als Republikaner

US-Eliten wollen die Abspaltung des Kosovo durchsetzen – egal, wer regiert

Jürgen Elsässer
Die Bush-Regierung steht offiziell hinter den sogenannten demokratischen Parteien in Serbien. Doch selbstverständlich hat die Supermacht auch einen Plan B, falls diese sich bei Wahlen nicht durchsetzen. Bereits im September 2006 verkündete Daniel Serwer vom »United States Institute of Peace« vor dem Europaausschuß des US-Repräsentantenhauses eine diabolische Strategie: »Es wäre viel einfacher für die internationale Gemeinschaft, die Kosovo-Frage zu lösen, wenn die Radikalen an der Macht sind. Niemand könnte dann von den Kosovo-Albanern erwarten, in einem gemeinsamen Staat mit Serbien zu bleiben. Die Radikalen den Kopf für den Verlust des Kosovos hinhalten zu lassen, wäre viel besser für die serbische Demokratie, als diese Verantwortung den demokratischen politischen Kräften anzuheften.«

Die Unabhängigkeit des Kosovo durchzusetzen, ganz unabhängig vom Wahlausgang – das trifft auch auf die Urnengänge in den USA selbst zu. Denn anders als in der Nahost-Frage gibt es in Balkanangelegenheiten in der US-Politik keine Differenzen, nicht einmal auf dem Papier. Egal, ob Republikaner oder Demokraten gewinnen – an der antiserbischen Grundlinie des State Department wird nicht gerüttelt. Ein Beispiel ist Senator Joseph Biden, der neue Vorsitzende des außenpolitischen Ausschusses des US-Senats. Was das Kosovo angeht, teilt der prominente Demokrat die Meinung der US-Regierung, und zwar nicht obwohl, sondern weil er diese wegen ihrer Irakpolitik kritisiert. Die Unabhängigkeit der Provint, so schrieb er vor kurzem, könne nämlich »bitter nötiges Beispiel einer erfolgreichen amerikanisch-muslimischen Partnerschaft« sein. Je schlimmer die USA in anderen Weltgegenden gegen Moslems hausen, umso mehr müssen sie sie demnach auf dem Balkan fördern – auf Kosten der Serben.

Dagegen ist Präsident George W. Bush noch relativ gemäßigt. Er selbst soll sich gegen seine Berater mit der Idee durchgesetzt haben, die Serben für die Preisgabe des Kosocvo wenigstens ein bißchen zu belohnen: Ende November wurde der frühere Schurkenstaat ohne Vorbedingungen in das NATO-Partnerschaftsprogramm aufgenommen.