19.06.2006 / Ausland / Seite 3

Bushs billiges Kanonenfutter

Britische und amerikanische Söldnerfirmen auf Anwerbetour: Exsoldaten der Fidschi-Inseln werden als Sicherheitskräfte im Irak verheizt

Kalinga Seneviratne, Sydney (IPS)

Nach dem Tod dreier fidschianischer Sicherheitskräfte im Irak mehren sich im Südpazifik Forderungen nach nationalen Gesetzen, die Rekrutierungsgesellschaften im Umgang mit Söldnern und Wachpersonal stärker in die Pflicht nehmen. Die drei ehemaligen Soldaten, die von der Sicherheitsfirma »Armour Group« in London angeheuert worden waren, sollten Transporte im Irak begleiten, als ihr Fahrzeug auf eine Mine fuhr und explodierte. Damit erhöhte sich die Zahl der Fidschianer, die als Sicherheitskräfte im Irak den Tod fanden, auf 13. Nichtregierungsorganisationen (NGOs) kritisieren, daß viele Fidschianer gar nicht wissen, welcher Gefahr sie im Irak ausgesetzt sind. Das »Pacific Concerns Resource Centre« (PCRC) appelliert an die Regierung in Suva, Bürgern, die für Krisenregionen rekrutiert werden, rechtlichen Schutz zukommen zu lassen. Der jüngste Vorfall müsse als Weckruf verstanden werden, den Mißbrauch fidschianischer Männer als Kanonenfutter und lebende Schutzschilder zu verhindern, sagte PCRC-Sprecherin Ema Tagicakibau. Notwendig seien nationale Gesetze, die private Anwerber an die Kandare nähmen und sie zur Einhaltung grundlegender Verhaltensregeln zwängen.

Versicherungen


Fidschis Arbeitsminister Krishna Datt zufolge werden die Arbeitsverträge von Fidschianern mit ausländischen Privatfirmen lediglich dahin gehend geprüft, ob die künftigen Mitarbeiter gegen Unfälle und Tod versichert sind. Geschätzt wird, daß rund 1000 Fidschianer für private Sicherheitsdienste im Irak und in Kuwait tätig sind. Weitere 2000 Ex-Soldaten des pazifischen Inselstaates arbeiten für die britische Armee. Die Rekrutierungen laufen bereits seit einigen Jahren. 2003 richtete das britische Unternehmen »Global Risks Strategies« eine Filiale auf den Fidschi-Inseln ein, um mehr als 500 neue Soldaten für die britische Armee anzuwerben, die im Irak Ölfelder, Installationen und Regierungsgebäude überwachen sollten. Im Januar 2005 sah sich ein Rekrutierungsteam von »Homeland Security Limited« auf den Fidschi-Inseln nach 70 Polizisten, Armeeangehörigen oder Gefängniswärtern für den Irak um. Bis Mitte vorigen Jahres hatte das Unternehmen 181 Inselbewohner angeheuert, die für den Dienst in Nahost 1 700 US-Dollar im Monat erhielten. Söldner aus den USA und Westeuropa bekommen bis zu 1 000 Dollar – pro Tag.

Fähiges und williges Personal für den Schutz US-amerikanischer und britischer Interessen im Irak ist auf den Inseln leicht zu finden. »Nach dem Ende der fidschianischen Beteiligung an der UN-Mission im Libanon (UNFIL) im Jahre 2002 fanden sich viele guttrainierte Soldaten auf der Straße wieder«, erinnert Nick McLellan vom »Nautilus Institute« in Melbourne. »Viele von ihnen nahmen das Angebot der Sicherheitsfirmen dankbar an.«

Doch nach Ansicht von Jone Dakuvula, Programmdirektor der Nichtregierungsorganisation »Citizens Constitutional Forum« werden Fidschianer vor allem als Billigarbeiter mißbraucht. Die Regierung sollte die Rekrutierungen durch kritische Stellungnahmen unterbinden, fordert er.

Devisenquelle

 

Für ein devisenhungriges Land wie Fidschi sind die Sicherheitskräfte eine willkommene Einnahmequelle. So erklärte Zentralbankchef Savenaca Narube, die Auslandsüberweisungen der Emigranten seien zwischen 1999 und 2004 von 28 Millionen Dollar auf 170 Millionen Dollar gestiegen. Hinzu kommen die Beträge, die über private Kuriere inoffiziell nach Fidschi gelangen. Die Regierung macht keinen Hehl daraus, daß sie die Rekrutierung ihrer Bürger für den Irak begrüßt. Sie ist nach Ansicht des ehemaligen Arbeitsministers Kenneth Zinck »eine von vielen Lösungen, um mit der steigenden Beschäftigungslosigkeit fertigzuwerden«. Derzeit liegt die Arbeitslosenquote bei 7,6 Prozent.