junge Welt vom 25.08.2005
 
Ausland

Atta-Beschützer im Pentagon

Zweiter Zeuge widerspricht Darstellung der 9/11 Kommission, daß US-Behörden vor dem 11. September 2001 keine Kenntnis über Mohammed Atta hatten

Jürgen Elsässer
 
Ein zweiter hochrangiger US-Militär hat der regierungsoffiziellen Darstellung widersprochen, wonach Mohammed Atta, der angebliche Chefterrorist des 11. September, den US-Sicherheitsbehörden vor den Anschlägen nicht bekannt gewesen sei. Hauptmann Scott Phillpott leitete die Antiterrortruppe Able Danger, die dem Kommando für Spezialoperationen des Pentagon unterstand und 1999 mit dem Auftrag gegründet worden war, weltweit Daten über Al Qaida zu sammeln. »Atta wurde von Able Danger im Januar/Februar 2000 identifiziert«, sagte Phillpott am Montag unter anderem gegenüber der New York Times. Damit unterstützte er die Aussagen, die Oberst Anthony Shaffer, ein weiterer Able-Danger-Angehöriger, bereits letzte Woche gemacht hatte (siehe auch jW vom 19. August).

 

Die Erklärungen der beiden ehemaligen Able-Danger-Spezialisten widersprechen der Version des 9/11-Untersuchungsberichtes des US-Kongresses. Dort ist von Versäumnissen bei der rechtzeitigen Identifikation der – angeblichen – späteren Selbstmordbomber nur in zwei anderen Fällen die Rede, nämlich in Bezug auf Khalid Al Midhar und Nawaf a-Hazmi.

 

Man könnte die Informationen von Phillpott und Shaffer als ein weiteres Beispiel von »Pleiten, Pech und Pannen« sehen, also vom Versagen der US-Sicherheitsdienste im Vorfeld des 11. September. Aber andererseits war es zumindest in einigen Fällen nicht Unfähigkeit, sondern Unwillen, was die rechtzeitige Weitergabe der Erkenntnisse von Able Danger verhinderte. So wurde die Einheit, nachdem sie vorgesetzten Militärstellen zu Jahresbeginn 2 000 über Atta berichtet hatte, von der weiteren Observation abgezogen. Sein Vorgesetzter, ein Zwei-Sterne-General, »bestand darauf«, so Shaffer, daß er sich nicht weiter um Atta kümmerte. »Ich erhielt mehrfach die Anweisung (Atta zu ignorieren), und es ging so weit, daß er mich daran erinnerte, er sei ein General und ich nicht ... und ich könnte gefeuert werden.«

 

Die Spurenverwischung setzte sich fort: Aufgrund von Hinweisen Shaffers forderte die 9/11-Kommission im Oktober 2003 die Able-Danger-Unterlagen beim Pentagon an – doch in dem zur Verfügung gestellten Material fehlt jeder Hinweis auf die Vorabkenntnisse über Atta. Das bringt selbst Parteigänger von George W. Bush auf die Palme: Shaffer und Phillpott wurden bei ihrem Schritt an die Öffentlichkeit vom Republikaner Curt Weldon aus Pennsylvania unterstützt. Der ist nicht nur Abgeordneter des Repräsentantenhauses, sondern auch Vizevorsitzender von dessen Homeland Security Committee.

 

Unterdessen hat der US-amerikanische Journalist David Hopsicker einen Zeugen gefunden, der den Vater von Mohammed Atta zwei Wochen vor dem 11. September zu Besuch in Venice (Florida) gesehen haben will. Vater und Sohn hätten seine Apotheke aufgesucht, und all das habe seine Überwacherungskamera sorgfältig aufgezeichnet. Das Video habe er nach dem 11. September dem FBI zur Verfügung gestellt – bei der Rückgabe seien 18 Stunden Filmmaterial gelöscht gewesen.

 

Pikant: Vater Atta behauptete nach den Anschlägen, sein Sohn sei unbeteiligt gewesen und würde noch leben. Die US-Behörden hätten ihn leicht als Komplizen desavouieren können, wenn sie das Video aus der Apotheke gezeigt hätten. Es muß einen anderen Grund geben, warum das unterblieben ist.

 

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Ausdruck erstellt am 04.09.2005 um 11:52:36 Uhr

 
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