08.04.2006 16:22 Uhr Druckversion - Spekulationen: Weißes Haus soll über Atomschlag gegen Iran beraten - Politik - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten

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Weißes Haus in Washington: "Das bedeutet Krieg"

SPIEGEL ONLINE - 08. April 2006, 11:00

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Spekulationen

Weißes Haus soll über Atomschlag gegen

Iran beraten

Der US-Enthüllungsjournalist Hersh wartet mit neuen Recherchen auf: Im Weißen Haus habe

die Planung massiver Bombenangriffe gegen Iran begonnen. Auch denke man über den Einsatz

von Atomwaffen nach. Die Bush-Regierung halte Präsident Achmadinedschad für einen

potenziellen zweiten Adolf Hitler.

Washington - Anfang des Jahres drohte Frankreichs Präsident Chirac Iran indirekt mit einem Atomschlag.

Nun sollen US-Präsident George W. Bush und seine Regierung dabei zu sein, konkrete Schritte in diese

Richtung zu unternehmen. Nach Informationen des US-Magazins "The New Yorker" haben die USA

bereits mit der Planung von massiven Bombenangriffen gegen Iran begonnen. In der Planung

eingeschlossen sei auch der Einsatz atomarer Bomben, wie sie zur gezielten Zerstörung von Bunkern

entwickelt wurden, gegen die unterirdische Uran-Anreicherungsanlage in Natans, schreibt der

angesehene Enthüllungsjournalist Seymour Hersh in der jüngsten Ausgabe des Magazins

(Erscheinungsdatum 17. April).

Bush und seine Berater hielten den iranischen Präsidenten Mahmud

Ahmadinedschad für einen potenziellen zweiten Adolf Hitler, sagte ein

ehemaliger ranghoher US-Geheimdienstvertreter dem Reporter. "Das ist der

Name, den sie für ihn benutzen". Ein Pentagon-Berater berichtete, das

Weiße Haus betrachteten einen Regimewechsel in Iran als "einzigen Weg zur

Lösung des Problems - und das bedeutet Krieg".

Andere frühere Geheimdienstmitarbeiter bezeichneten die Planungen als

"umfangreich" und "hektisch". Sie basierten auf der Annahme, die

Bombenangriffe könnten die islamische Führung in Iran "diskreditieren und

zum Sturz der Regierung durch das Volk führen".

In den vergangenen Wochen habe Bush bereits eine Reihe vertraulicher Gespräche mit Vertretern des

US-Kongresses geführt, berichtet Hersh in seinem Artikel weiter.

Nach seinen Informationen regt sich in Teilen des Militärs jedoch Widerstand gegen die Pläne. Erhebliche

Bedenken gebe es vor allem gegen einen Einsatz der atomaren "Bunker Buster"-Bomben. Einige

Offiziere hätten mit ihrem Rücktritt gedroht, nachdem sie vergeblich gegen die atomare Option Sturm

gelaufen seien. Der Pentagon-Berater warnte darüber hinaus vor einer gewaltsamen "Kettenreaktion"

gegen amerikanische Bürger und Interessen weltweit, sollte Washington Krieg gegen Teheran führen.

"Wenn wir losschlagen, dann steht der gesamte irakische Süden in Flammen", sagte er dem

Journalisten.

asc/AFP

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