Amerikaner greifen Rebellengruppe an

Paschtunenführer Hekmatjar (Foto: AP)US-Soldaten und Verbündete haben sich in Afghanistan eine Schlacht mit Rebellen geliefert. Die Afghanen sollen dem abtrünnigen Paschtunenführer Gulbuddin Hekmatjar unterstehen und sich in den Bergen nahe der pakistanischen Grenze gesammelt haben. Einer der Herausgeber der pakistanischen Tageszeitung "Daily Jang" in der Grenzstadt Peschawar, Rahimullah Jusufzai, sagte T-Online, es gebe in diesem Gebiet und den umliegenden Provinzen wohl an die tausend ehemalige Taliban-Kämpfer, die jetzt auf Hekmatjars Kommando hörten.

Kleine Schießerei entwickelte sich zum Gefecht
Ein Sprecher der US-Armee sagte, die USA hätten schon seit einiger Zeit Informationen über Truppenansammlungen in dem Gebiet gehabt. Am Montag sei es gelungen, einige der Truppen zu lokalisieren. Am Dienstag sei es zunächst zu einem kleineren Feuergefecht gekommen. Dabei sei ein Afghane getötet und ein weiterer gefangen genommen worden. Auch dieser berichtete von einer größeren Truppenansammlung in den Bergen nahe dem afghanisch-pakistanischen Grenzübergang Spinboldak.

Schweres Geschütz gegen die Bergstellungen
Ein Apache-Kampfhubschrauber habe daraufhin das genannte Gebiet überflogen und sei aus Handfeuerwaffen beschossen worden, was das Gefecht ausgelöst habe. Einige der Kämpfer hielten sich in Höhlen vesteckt, hieß es. Der Armee-Sprecher sagte, mindestens 18 Rebellen seien bei den darauffolgenden Kämpfen getötet worden. Auf Seiten der Amerikaner und ihrer Verbündeten habe es keine Opfer gegeben. Kampfflugzeuge vom Typ B-1, F-16 und AC-130 griffen die feindlichen Stellungen an. Nach Armeeangaben handelte es sich um die schwersten Kämpfe seit der Operation Anaconda vor neun Monaten. Damals hatten 1500 US-Soldaten versucht, rund 1000 Kämpfer der Taliban und der Al-Kaida aus den Bergen im Osten Afghanistans zu vertreiben.

Der "Islamo-Faschist"
Der Bundestagsabgeordnete Willy Wimmer (CDU), Mitglied im außenpolitischen Auschuss, sagte T-Online, Hekmatjar sitze nach deutschen Erkenntnissen in der unzugänglichen Bergregion Paktia, unweit der pakistanischen Grenze. Von dort gebe er Presserklärungen heraus, in denen er seine Unzufriedenheit mit der Gesamtsituation erkläre. Gulbuddin Hekmatjar, der als Anführer der Rebellen beschrieben wird, ist einer der bekanntesten und berüchtigsten Mudschaheddin-Führer Afghanistans. Landeskenner beschreiben sein politisches Konzept als "Islamo-Faschismus". Als Student in der 70er Jahren machte er sich bereits einen Namen als islamistischer Hardliner, der unverschleierten jungen Frauen Säure ins Gesicht schüttete.

Kabul in Schutt und Asche gelegt
Im Kampf gegen die Sowjet-Truppen avancierte er mit amerikanischer Hilfe zum mächtigsten Feldherren der Paschtunen, die einen Anteil von über 60 Prozent an der Gesamtbevölkerung haben. Als nach dem Abzug der Russen die Truppen der heutigen Nordallianz als erste in Kabul einrückten, griff Hekmatjar die Hauptstadt an und löste einen fünf Jahre dauernden Krieg aus. Kabul wurde dabei in eine mit Minenfeldern verseuchte Trümmerlandschaft verwandelte. Nach dem Sieg der Taliban ging Hekmatjar ins iranische Exil, aus dem er im vergangenen Jahr zurückgekehrt sein soll. Gerüchten zufolge sammelt er seitdem neue Truppen aus den Reihen der überwiegend paschtunischen Taliban.

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