Arbeitskreis Palästina Tübingen u. Flüchtlingskinder im Libanon e.V.

c/o Ingrid Rumpf, Birnenweg 2, 72793 Pfullingen, irumpf@lib-hilfe.de

7.2.2002

Sehr geehrte Frau Bundestagsabgeordnete, sehr geehrter Herr Bundestagsabgeordneter,

 mit Entsetzen verfolgen wir die Entwicklung im Nahen Osten. Hunderte unschuldiger Menschen, darunter viele Frauen und Kinder, sind Opfer der kriegsähnlichen Auseinandersetzungen  zwischen der israelischen Armee und bewaffneten palästinensischen Kräften geworden. Beide Konfliktparteien sind entweder nicht bereit oder nicht fähig, die Friedensverhandlungen wieder aufzunehmen.

Der Staat Israel als die militärisch und politisch total überlegene Seite hätte dabei den Schlüssel zur Wiederaufnahme der Verhandlungen in der Hand. Länger als 3 Wochen hat die von Präsident Arafat am 16.12.2001 ausgerufene und von den Palästinensern weitgehend umgesetzte Waffenruhe gehalten. In dieser Zeit wurden zwar 16 Palästinenser durch die israelische Armee, aber nur ein Israeli durch Palästinenser ermordet. Aber anstatt dies durch ein umgehendes Verhandlungsangebot zu honorieren, hat die israelische Regierung nach einem Hamas-Agriff auf einen israelischen Militärposten eine neuerliche gefährliche Eskalation herbeigeführt. Israel zerstörte nicht nur den Flughafen und Teile des Hafens sondern unzählige Wohnhäuser wehrloser Familien in einem Flüchtlingslager in Gaza und machte damit Hunderte Menschen obdachlos.

 Anstatt die von der überwältigenden Mehrheit der Palästinenser gewählte Autonomie-Regieurng zu respektieren, wird Arafat in Ramallah von israelischem Militär unter Hausarrest gestellt, die zivile und sicherheitsrelevante Infrastruktur seit Monaten dem Erdboden gleichgemacht und die palästinensische Bevölkerung mit Panzern, Kampfhubschraubern und F-16-Bombern terrorisiert. Man stelle sich dieses Verhalten von palästinensischer Seite vor! Sie wissen, dass nicht nur ein Aufschrei der Empörung durch die Welt ginge!

 Sowohl palästinensische Menschenrechtsgruppen als auch israelische Friedensgruppen, wie die kürzlich mit dem Alternativen Friedensnobelpreis ausgezeichnete Gush Shalom um Uri Avneri, wenden sich immer wieder in verzweifelten Hilferufen an die internationale Öffentlichkeit. Aber die Weltgemeinschaft hüllt sich in Schweigen. Dies dürfen wir nicht länger zulassen. Unsere deutsche nationalsozialistische Vergangenheit lehrt uns nicht nur, Antisemitismus und Neofaschismus jederzeit entgegen zu treten. Sie lehrt uns auch, dafür zu sorgen, dass allen Menschen ohne Unterschied Völkerrecht und Menschenwürde zuteil wird.

 Es ist höchste Zeit, den Ursachen von Terrorismus endlich mutig und wirksam entgegen zu treten. Dazu gehört es, im israelisch-palästinensischen Konflikt Menschenleben durch die Entsendung internationaler Beobachter zu schützen, die zahlreichen von israelischen Regierungen ignorierten UNO-Resolutionen umzusetzen und das Recht auf Unabhängigkeit und Selbstbestimmung der Palästinenser zu verteidigen. Auch die Sicherheit des Staates Israel ist langfristig nur dadurch zu gewährleisten.

 Wir appellieren dringend an Sie, sich nicht länger in Stillschweigen zu hüllen, sondern die Konfliktparteien mit allen Ihnen zur Verfügung stehenden politischen und wirtschaftlichen Mitteln an den Verhandlungstisch zu zwingen!

Mit freundlichen Grüssen

i.A. Ingrid Rumpf

 

Folgende Organisationen unterstützen unseren Brief an Sie:

Friedensplenum Tübingen, Reutlinger Friedensgruppe, Courage-Frauen Reutlingen

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